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	<title>schuehsch.net &#187; Sommer</title>
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	<description>Das Feuerwerk der Möglichkeiten</description>
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		<title>Emma</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jul 2011 08:15:16 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Gestern habe ich Emma kennen gelernt.
Gestern war ein sonniger Tag und ich habe vor dem Haus, in dem ich wohne, auf dem breiten Bürgersteig an meinem Fahrrad geschraubt. Denn auf dem Weg hierher hatte irgendwas geklappert. Irgendwas klappert immer. Aber das dulde ich nicht und schraube dann eben. Erst kam eine Katze. Die Nachbarskatze, ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern habe ich Emma kennen gelernt.</p>
<p>Gestern war ein sonniger Tag und ich habe vor dem Haus, in dem ich wohne, auf dem breiten Bürgersteig an meinem Fahrrad geschraubt. Denn auf dem Weg hierher hatte irgendwas geklappert. Irgendwas klappert immer. Aber das dulde ich nicht und schraube dann eben. Erst kam eine Katze. Die Nachbarskatze, ein wunderschönes flauschiges Tier, dass oft laut maunzt, sich auch anschauen und Menschen nahe kommen lässt, aber anfassen darf man sie nicht, keines Falls.<br />
Dann kam Emma. Emma kam in Begleitung eines jungen Mannes dem der Vaterstolz ins schweißige Gesicht geschrieben stand. Emma stapfte an seiner Hand schnurstraks auf die Katze zu, ausstafiert mit Sonnenhütchen und langen Hosen. Die Katze wollte nicht und war schneller weg als Emma es begreifen konnte. Dann stapfte sie auf mich zu. Emma hatte echt die Hosen an. Das ungleiche Team blieb vor mir stehen und sah mir beim Schrauben zu. &#8220;Stören wir?&#8221;, fragte der mutmaßliche Vater. &#8220;Nee, kein Thema&#8221;.<br />
Ich hattte einen Imbusschlüssel neben mich auf den Bürgersteig gelegt, nachdem Emma nun griff und ihn brabbelnd hoch hielt. &#8220;Willst du auch mal an Fahrrädern schrauben, wenn du groß bist?&#8221;, fragte ihre Gehhilfe. Emma strahlte. &#8220;Ja, mach mal. Damit beeindruckst du jeden Mann.&#8221;, mischte ich mich ein. Und fügte schnell hinzu: &#8220;Und jede Frau.&#8221; Da gluckste Emma. &#8220;Was dir aber auch egal sein kann, wenn du dein Rad eh selbst reparieren kannst.&#8221;<br />
Der Vater schaute mich an, Emma ihren Imbusschlüssel und die Katze floh von einem Auto zum nächsten.</p>
<p>Gestern war ein schöner Nachmittag.</p>
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		<title>Sie malt jetzt auch im Sommer</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Dec 2008 22:25:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schuehsch</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Sie trägt einen jägergrünen Mantel, einen safranfarbenen Schal und ihre Haare sind von Natur aus kupferfarben. Sie ist nicht von hier. Sie ist noch nicht lange hier und sie ist nicht gern hier. Wie viele andere lebt sie auf engem Raum in einem Studentenwohnheim. Sie mag aber die Weite. In ihrem Land ist es lange dunkel, wegen des vielen Schnees aber doch so hell, dass Dir schnell die Augen weh tun, wenn Du in die weiße Wüste blickst. Hier ist alles klein und eng. Auch die Geister. Auch die Sprache. Sie versteht so vieles nicht, obwohl sie gerne würde. </p>
<p>An einem Dienstagmorgen steht sie an der Bushaltestelle. Es hat in der Nacht gefroren. An den Scheiben <span id="more-621"></span>die die Wände des Bushäuschens sind, ist eine dünne Schicht Eis. Sie nimmt ihre Mädchenhände aus den Manteltaschen und kratzt in das Eis. Es ist so früh am Tag, dass niemand sonst an der Bushaltestelle steht. Sie zeichnet sich selbst im Eis. In der Zeichnung steht sie in einer Weite, die bis zum Horizont geht. Da geht es ihr ein bisschen besser.<br />
Am nächsten Morgen ist dort wieder das Eis und sie malt das Gesicht eines Mädchens hinein. Da geht es ihr wieder ein bisschen besser und das Seufzen erleichtert ausnahmsweise sogar ihr Herz. Von nun an geht sie jeden Morgen vier Minuten früher zum Bus und malt Landschaften, Frauen und all das, was ihr Zuhause ausmacht. Eines morgens steht ein Araber neben ihr an der Haltestelle. Sie weiß wer er ist, er wohnt im siebten Stock des Wohnheims. Er dreht sich weg von ihr, tut so, als würde er sie nicht kennen. Obwohl sie ihm natürlich aufgefallen ist. Er mag ihr Haar. Schon immer.<br />
Schüchtern schielt sie zu ihm rüber, traut sich erst nicht, malt dann aber doch. Sie malt Paradiesvögel, Papageien und Kolibris. Als sie in den Bus steigt, lächelt sie sogar ein bisschen und passt nicht auf. So entgeht ihr, dass der Araber nicht eingestiegen ist.<br />
Der Araber heißt Ibrahim und die Menschen, die er seine Familie nennt, leben im Westen des Jemens. Er ist schon länger hier und er ist gerne hier. Er mag das Leben im Studentenwohnheim und die guten Partys in den WGs der Stadt. Und er mag die Zeichnungen die seit zwei Wochen im Eis der Scheibe auftauchen. Er hat sie alle fotografiert. Und er hat einen flickr-Account nur für diese Bilder angelegt. Er hat dazu ein Blog eingerichtet und es sind schon erstaunlich viele Leute, die jeden Tag schauen, was heute im Eis war. Heute ist er zu einer Uhrzeit aufgestanden, zu der er sonst nur wach ist, wenn er von einem Fest kommt. Er wollte sehen, wer die Bilder malt und wollte dem Menschen sagen, was er getan hat. Er hat einen Zettel mit den URLs vorbereitet.<br />
Aber das Mädchen &#8211; damit hat er nicht gerechnet. Er hat sich nicht gedacht, dass sie es sein könnte. Ihre Augen schauen immer so traurig und jetzt traut er sich nicht. Ob sie überhaupt Mails schreibt? Ob sie weiß, was flickr ist? Oder ein Blog?<br />
Da kommt der Bus. Chance vertan. Sie fährt weg. Er macht ein Bild von den Vögeln und schlurft zum Wohnheim zurück. Er legt sich hin, kann aber nicht schlafen.<br />
Am nächsten Morgen steht sie deutlich früher auf als sie müsste. Sie will allein sein. Sie will nicht, dass sie wieder jemand beim Malen sieht. So steht sie im Dunkeln an der Straße, ignoriert die wenigen vorbeirauschenden Autos und zeichnet. Ein Segelschiff auf Wellen. Sie wundert sich über gar nichts mehr. Es kommen Bilder aus ihren Fingern, die sie nie zuvor gedacht hat. Sie malt einfach.<br />
Irgendwann ist der Winter vorbei, sie steht noch früher auf, weil es früher hell wird und malt mit wasserlöslichem Bordmarker an die Glasscheibe. Es hilft.</p>
<p>Drei Jahre nachdem sie ihr Studium zu hause beendet hat, fischt sie eine E-Mail aus ihrem Spamfilter. Der Absender kommt ihr irgendwie bekannt vor und sie schaut sich die Nachricht an. Außer einem Link steht nichts in der Mail. Sie folgt dem Verweis zu einem Blog mit Bildern. Ihre Bilder, die sie während des Auslandssemesters vor lauter Sehnsucht und Wehmut gemalt hat. Sie sitzt wie versteinert vor dem Bildschirm, bekommt feuchte Augenwinkel und antwortet auf die Mail: &#8220;Who are you?&#8221; Wenige Minuten später hat sie eine Antwort: &#8220;I&#8217;m sorry to have to inform you that your message could not be delivered to one or more recipients. [...] 550 sorry, no mailbox here by that name.&#8221;</p>
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