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	<title>schuehsch.net &#187; PET</title>
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	<description>Das Feuerwerk der Möglichkeiten</description>
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		<title>Längsstreifen</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Jun 2010 21:26:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schuehsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Er atmete tief durch. Er wusste schon, dass sie es war, noch bevor er auf das Display seines Mobiltelefons schaute oder sie ihren Namen sagte. Er hatte für all Anrufe und Nachrichten von ihr einen besonderen Klingelton eingestellt.
“Hallo, ich bin’s.” 
&#8220;Hallo, nett dass du zurück rufst&#8221;, sagte er ruhig und konzentriert. Feuchte Hände hatte er [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Er atmete tief durch. Er wusste schon, dass sie es war, noch bevor er auf das Display seines Mobiltelefons schaute oder sie ihren Namen sagte. Er hatte für all Anrufe und Nachrichten von ihr einen besonderen Klingelton eingestellt.<br />
“Hallo, ich bin’s.” <span id="more-824"></span><br />
&#8220;Hallo, nett dass du zurück rufst&#8221;, sagte er ruhig und konzentriert. Feuchte Hände hatte er trotzdem. &#8220;Kannst Du mir beim Umzug helfen?&#8221;, fragte er und musste sich räuspern. Sie konnte. Zwei Stunden später war sie bei ihm. Unten im Hauseingang standen bereits Kartons als sie ankam. Er hatte sie nach dem Telefonat mit ihr voll gepackt und aus dem vierten Stock herunter getragen. Er stand neben den Kartons und reichte ihr eine Flasche Wasser, als sie aus dem Auto stieg. Ihm stand Schweiß auf der Stirn. Es war ein sehr warmer Spätherbst.<br />
Die Kartons waren in krakeliger Handschrift ordentlich beschriftet. &#8220;Ist da drinn, was drauf steht?&#8221; fragte sie stirnrunzelnd zur Begrüßung. Er bejahte. &#8220;Spießer!&#8221; Er streckte ihr die Zunge raus. Sie lachte. Die Sonne schien auf ihre Haare. Sie umarmten sich nicht. Sie trank Wasser aus der Flasche.<br />
Sie packten die Kartons in ihr Auto und gingen zusammen hoch in sein altes Zimmer. Die vollen Aschenbecher standen immer noch da, ebenso die PET-Flaschen. Wieder sagte sie nichts zur Unordnung und dem Gerümpel. Aber er kannte ihren Blick. &#8220;Die Flaschen bring ich zum Altglas, da kann sie sich dann ein Penner wegholen.&#8221;, erklärte er. Sie schaute ihn an. Sie lächelte. &#8220;Dafür, dass wir jetzt die letzten Kisten rüber fahren, steht hier noch ziemlich viel Kram.&#8221;, sagte sie. Sie nahm seinen kleinen Fernseher und trug ihn nach unten.<br />
Als sie zum zweiten Mal die Treppe hoch gingen, fragte er, wie ihr Tag war. Sie lachte verlegen. &#8220;Gut. Alles wie immer.&#8221; und einige Stufen weiter fragte sie: &#8220;Und bei dir?&#8221;, woraufhin er zu plappern anfing. In seinem Zimmer nahm sie einen Wäschekorb voller Bücher und er einen Müllsack mit Kleidern für die er keine andere Tasche hatte mit nach unten. Damit war ihr kleines Auto voll.<br />
&#8220;Du siehst gut aus.&#8221;, sagte sie als er ins Auto stieg. &#8220;Du auch.&#8221;, lächelte er. &#8220;Das liegt daran, dass ich nicht mehr rauche.&#8221; &#8220;Ach, das hast Du durchgehalten?&#8221; &#8220;Ja, seit bald drei Wochen. Man muss das einfach nur wollen.&#8221; Sie nickte stumm. Der Blick ihrer Augen veränderte sich.</p>
<p>&#8220;Hier&#8221;, er deutete auf einen Seiteneingang. Das Haus war frisch gestrichen. Auf einem Briefkasten im Hausflur klebte ein Pflaster auf das mit Kugelschreiber sein Name gekritzelt war. Die Fenster im Flur wurden offensichtlich regelmäßig geputzt. Sie sprang die Treppenstufen hoch. &#8220;Erster Stock!&#8221; rief er ihr nach. Vor der Tür wartete sie bis er aufgeschlossen hatte. Sie ging stumm durch die Wohnung und musterte jeden Raum eingehend. Im Wohnzimmer waren farbige Längsstreifen an der Wand und an der Schlafzimmerdecke über dem Bett Ornamente. An allen strategisch wichtigen Stellen ragten Kabel für Lampen aus Wände und Decken.<br />
In der Küche standen eine Waschmaschine, Einbauküche, Tisch und Stühle. Eine Glastür führte auf einen Balkon, zum Hinterhof raus. &#8220;Der Balkon hat zwar keine schöne Aussicht, aber um mal gemütlich ein Glas Rotwein zu trinken, ist er doch prima.&#8221; Sie schaute ihn an. &#8220;Seit wann trinkst du gemütlich Rotwein?&#8221;, fragte sie. &#8220;Es kommt immer auf die Gesellschaft an&#8221;, zwinkerte er ihr zu.<br />
&#8220;Das Bad ist halt nicht so toll.&#8221; Im schmalen langen Bad waren Badewanne, Waschbecken und WC. Der Raum war altmodisch grün gefliest, die Wände und die Decke darüber weiß gestrichen. &#8220;Naja&#8230; Der schwarze Fensterrahmen stört ein bisschen.&#8221;, sagte sie. Er blinzelte. &#8220;Das fand ich jetzt gar nicht. Aber die Fliesen mag ich nicht.&#8221; &#8220;Ach, den Style kann man übernehmen. Der Duschvorhang passt doch schon dazu.&#8221; &#8220;Hmm, ja, den wollte ich auch drinne lassen.&#8221;<br />
Im Wohnzimmer stand eine monströse Couch sowie Bett, Nachtschränke und Kleiderschrank im Schlafzimmer. Im letzten Raum drehte sie sich zu ihm um und sagte: &#8220;Ist ja alles schon eingerichtet. Woher hast du all die Möbel? Die habe ich noch nie bei dir gesehen.&#8221; &#8220;Die Couch ist ein Geschenk von einem Arbeitskollegen meiner Mutter, Tisch, Stühle und das Bett habe ich von der Vormieterin bekommen. Kühlschrank, Waschmaschine und den Kleiderschrank habe ich gekauft. Die Wände sind schön bemalt, nicht? Ich werde das so lassen.&#8221; Sie schaute ihn ernst an. Unter ihrem Blick legte er sich aufs Bett und sah an die verzierte Decke. Durch eine Handbewegung lud er sie ein, sich neben ihn zu legen. Sie blieb stehen und schaute. &#8220;Ja, hier werde ich es wohl eine Weile aushalten.&#8221;</p>
<p>&#8220;Komm, wir gehen noch in den Keller. Ich habe ein Schloss für die Tür gekauft und will sehen, ob es passt. Kommst Du?&#8221; Im Keller lagerten noch Spiegel, eine Stereoanlage, Lampen und ein Fernseher. Sie räumten zusammen seinen Verschlag auf. &#8220;Ich geh noch etwas trinken, willst du auch?&#8221; &#8220;Nein danke, ich fahr heim.&#8221; Er nickte und begleitete sie zum Wagen. Sie stieg ein und fuhr. Er sah ihr nach und fühlte sich leer.</p>
<p><a href="http://schuehsch.net/2009/07/23/schachbrettmuster/">Schachbrettmuster.</a></p>
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		<title>Schachbrettmuster</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Jul 2009 16:44:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schuehsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Hallo, ich bin&#8217;s.&#8221;
Sein Herz fing an zu rasen, die Innenflächen seiner Hände wurden feucht und sein Mund wurde trocken. &#8220;Hallo.&#8221;, sagte er leise und intonationslos. &#8220;Kann ich vorbeikommen?&#8221; Ihm war, als  hätte er aufgehört zu atmen. Er räusperte sich. &#8220;Äh, ich habe nicht&#8230; Also es ist nicht aufgeräumt und ich muss heute Nacht arbeiten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Hallo, ich bin&#8217;s.&#8221;<br />
Sein Herz fing an zu rasen, die Innenflächen seiner Hände wurden feucht und sein Mund wurde trocken. &#8220;Hallo.&#8221;, sagte er leise und intonationslos. &#8220;Kann ich vorbeikommen?&#8221; Ihm war, als  hätte er aufgehört zu atmen. Er räusperte sich. &#8220;Äh, ich habe nicht&#8230; Also es ist nicht aufgeräumt und ich muss heute Nacht arbeiten, aber&#8230; ähm, ja, ok. Also, wenn Du willst&#8230; Jedenfalls&#8230; Ich hab nix vor und bin hier.&#8221; &#8220;Gut, bis gleich, ich schwing mich direkt auf&#8217;s Rad.&#8221; Sie legte auf. Er zündete sich eine selbstgedrehte Zigarette an und musste bei jedem Zug husten. <span id="more-800"></span><br />
Er setze sich aufs Bett und starte die gegenüberliegende Tür an. Sein Zimmer sah aus wie sau. Die Wände hatte er nie fertig gestrichen, in einer Ecke lagen mindestens 50 leere PET-Flaschen, das Bett hatte er seit Monaten nicht frisch bezogen und alles, was als Aschenbecher taugte, quoll vor Kippen über. Auf dem Schreibtisch, neben seinem neuen Bildschirm stand Gleitgel.<br />
Er wusste nicht, wie lange sie von ihrer neuen Wohnung zu ihm brauchen würde. Früher hatte sie maximal 17 und mindestens elf Minuten gebraucht. Er hatte die Zeit genommen. Jedes Mal. Er sah auf sein Handy. Das Gespräch war vor drei Minuten und 47 Sekunden beendet worden. Er könnte versuchen, noch aufzuräumen; wenigstens die Schranktüren schließen. Er dachte nach. Schließlich öffnete er das Fenster, holte sich aus der Küche Orangenlimonade in einer PET-Flasche, schloss seine Zimmertür hinter sich und setzte sich an den Rechner. Um beschäftigt auszusehen startete er irgendein Spiel und öffnete alle Favoriten in seinem Browser. Er drehte sich eine weitere Zigarette. Nie fiel ihm auf, wie schmutzig es bei ihm, wie löchrig seine Socken und wie schlecht die Luft in seinem Zimmer war &#8211; bis sie kam. Es klingelte. Er ließ einen seiner WG-Kollegen öffnen. Er hatte noch etwa drei Minuten. Sie würde jetzt ihr Rad im Treppenhaus anschließen und dann in den vierten Stock hoch kommen. Er rauchte.<br />
Neun Minuten nach dem Ende des Telefonats klopfe es an seine Zimmertür. &#8220;Ja.&#8221; sagte er laut und sie kam rein. Er drehte sich zu ihr, stand auf. &#8220;Hey!&#8221; Sie lachte ihn an und wollte ihn umarmen als er mit einem &#8220;Bäh, Du bist nass.&#8221; von dem Mädchen in tropfnasser Regenjacke zurückwich. Sie grinste nur und umarmte ihn trotzdem. Er hustete. &#8220;Warum lebst Du eigentlich noch?&#8221;, fragte sie. &#8220;Weil ich so viel rauche, Nikotin konserviert.&#8221; Er drückte seine Kippe in einem Aschenbecher mit Schachbrettmuster aus. Ein Geschenk von ihr. Dann fing sie an zu plappern. Er schaute sie an. Sie zog die Jacke aus und warf sie aufs Bett. Er folgte ihren Augen. Ihr Blick schweifte durchs Zimmer und sie sah all den Dreck, den er auch gesehen hatte, aber sie sagte nichts. Dafür hatten sie lange genug zusammen gewohnt. Er drückte seine Kippe aus. &#8220;Mhm.&#8221; machte er. Sie war dünner geworden. Sie trug immer noch ihren Lieblingspulli aus dem vorletzten Sommer und ihre Haare waren völlig anders. Er war sich sicher, sie seit über einem Jahr nicht gesehen zu haben. &#8220;Deine Hose ist ja bis zu den Knien nass! Sieht blöd aus, der Schnitt&#8221;, unterbrach er sie. Sie stockte und sah an sich herunter. &#8220;Ja, ach halb so wild. Du musst es ja nicht anziehen.&#8221; &#8220;Soso. Willste auch eine?&#8221;, fragte er, als er sich eine weitere Zigarette drehte. &#8220;Nee, ich rauch grad nicht. Wie heißt sie?&#8221;, fragte sie mit Nicken in Richtung Gleitgel. &#8220;Och, nichts Regelmäßiges.&#8221;, sagte er.<br />
Sie blieb lange. Sie unterhielten sich und sie wurde immer leiser, ihre Sätze kürzer. Irgendwann kochte er Tortellini mit Käse, doch sie wollte nicht. Auf die Frage hin, wann sie zum letzten Mal gegessen hätte, nahm sie schweigend den Teller und aß. &#8220;Was hat er denn mit Dir gemacht?&#8221;, fragte er und setzte sich an seinen Schreibtisch. Als Antwort hörte er sie schlucken und sah, wie ihre Augen feucht wurden. Sie aßen schweigend. &#8220;Am Freitag war ich auf einem saugeilen Konzert.&#8221;, sagte er. &#8220;Oh ja?&#8221;, fragte sie, &#8220;Zeig mal die Mucke.&#8221; Er spielte ihr ein halbes Dutzend Lieder vor. Sie gab sich Mühe, aufmerksam zu sein, lag aber bald nur noch zusammengerollt auf seinem Bett und blickte an die Wand.<br />
Er machte einen Film an, den sie beide schon kannten. Sie blickte auf den kleinen Fernseher neben seinem Bett und er blieb an seinem Bildschirm. Sie bewegte sich kaum, lag zusammengerollt da und schaute.<br />
Er rauchte. Er brachte die Teller weg und ging ins Bad. Als er zurück kam sagte er &#8220;Ich muss los zur Arbeit.&#8221; Sie sprang sofort auf. &#8220;Nein, Du kannst gern hier bleiben. Ich weck Dich morgen Mittag, wenn ich wieder da bin.&#8221; &#8220;Nein&#8221;, sagte sie, &#8220;ich fahr zurück.&#8221; Protest war sinnlos.<br />
Sie blieb nie über Nacht.</p>
<p><em>Mein 800ster Eintrag in diesem Blog. Das hat er, der die Vorbilder für diese Figuren lieferte, verdient.</em></p>
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