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	<title>schuehsch.net &#187; Mädchen</title>
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		<title>Marie</title>
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		<pubDate>Sat, 30 Jul 2011 10:36:34 +0000</pubDate>
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Drüben bei Beetlebum, der autobiografischen online Graphic Novel von Johannes Kretzschmar, ist ein ein besonders toller Comic erschienen. Das ist schon was wert, wenn ein Mann klar formulieren kann, dass er sich durch Frauen die &#8220;alles&#8221; können in seiner Männlichkeit bedroht fühlt. Schade aber, dass es Männern überhaupt so geht. Begegnet einem viel zu oft [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<a href="http://blog.beetlebum.de/2011/07/27/marie/"><img alt="Beetlebum Marie" src="http://blog.beetlebum.de/wp-content/uploads/2011/07/marie_de.jpg" width="400" height="712" /></a>
<p>Drüben bei Beetlebum, der autobiografischen online Graphic Novel von Johannes Kretzschmar, ist ein ein besonders toller Comic erschienen. Das ist schon was wert, wenn ein Mann klar formulieren kann, dass er sich durch Frauen die &#8220;alles&#8221; können in seiner Männlichkeit bedroht fühlt. Schade aber, dass es Männern überhaupt so geht. Begegnet einem viel zu oft und hat selten positive Konsequenzen. Und es passt auch sehr gut zu Berlin.<br />
Passiert das eigentlich auch Frauen? Dass Frauen sich von Männern in ihrer Weiblichkeit bedroht fühlen?</p>
<p>Danke für den tollen Comic!</p>
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		<title>Ohne alles</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jul 2011 11:12:40 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Es muss in der 10. Klasse gewesen sein. Mit wenigen anderen Schülern aus verschiedenen Jahrgängen zusammen hatte ich Montags Nachmittags &#8220;Werte &#038; Normen&#8221; statt Religions-Unterricht. Es ging um die Frage, was der Mensch wirklich braucht. Ich war noch damit beschäftigt darüber nachzudenken, ob ich nehben Taschenmesser, Armeeschlafsack und Feuerzeug auf meiner Zahnbürste beharren sollte, als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es muss in der 10. Klasse gewesen sein. Mit wenigen anderen Schülern aus verschiedenen Jahrgängen zusammen hatte ich Montags Nachmittags &#8220;Werte &#038; Normen&#8221; statt Religions-Unterricht. Es ging um die Frage, was der Mensch wirklich braucht. Ich war noch damit beschäftigt darüber nachzudenken, ob ich nehben Taschenmesser, Armeeschlafsack und Feuerzeug auf meiner Zahnbürste beharren sollte, als Klassenkameradin Jana sprach: &#8220;Naja&#8230; alles. Ich muss mich morgens schminken, mir die Zähne putzen, Haare shampoonieren, Füße waschen, frisch gereinigte Kleidung anziehen und so weiter.&#8221; Ich widersprach ihr mit dem bereits formulierten Gedanken und zettelte damit eine unheimliche Diskussion an. Ich hatte den Eindruck sie mit der Andeutung, dass man auch kaltes klares Wasser aus einem Bach zum Waschen, statt warmen, geklärtem Nass aus Hähnen und Brausen nehmen könnte, zu schockieren. Danach dachte ich viel über Waschzwänge nach und warum ich wohl keinen habe.<br />
Ich denke oft an die Klassenkameradin Jana und ihre Erschütterung bei der Idee, man könne ohne Makeup leben. Sie meinte das ernst. Sie glaubte wirklich daran. Vielleicht tut sie es noch heute, ich weiß es nicht.<br />
Manchmal, wenn ich morgens im Bad 10 Minuten länger gebraucht habe als sonst, weil es mir doch mal wieder angebracht schien, meine Haare zu fönen, dann denke ich an sie. Und frage mich, warum ich eigentlich kein Puder will. Ich könnte viel mädchenhafter sein. Dann könnte ich mich noch viel mehr mit mir selbst beschäftigen. Mich auf mein Äußeres fixieren anstatt meine Fahrradkette zu ölen. Offensichtlich habe ich nicht das Zeug zur Diva.<br />
Ich habe heute morgen nicht geduscht. </p>
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		<title>&#8220;Ein richtiges Mädchenthema&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Jan 2010 15:47:56 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Seit einigen Monaten gebe ich Seminare für JUZ United &#8211; den Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung e.V. Dabei geht es um die Klärung von Begriffen wie Emanzipatioen, Sexismus, Gleichberechtigung und Feminismus sowie konkrete Fragen, die im jeweiligen Jugendzentrum aufgetaucht sind.
Eben diese Workshops waren für Fresh TV, das Magazin von und über saarländische Jugendzentren, Anlass, mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seit einigen Monaten gebe ich Seminare für <a href="http://www.juz-united.de/">JUZ United &#8211; den Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung e.V.</a> Dabei geht es um die Klärung von Begriffen wie Emanzipatioen, Sexismus, Gleichberechtigung und Feminismus sowie konkrete Fragen, die im jeweiligen Jugendzentrum aufgetaucht sind.<br />
Eben diese Workshops waren für <a href="http://www.saarclip.de/content_videos.jsp?jsessionid=BB14DCF2FB0A4F5ACF8F7DB36B4117FD&#038;dwview=default&#038;kontext=Kontext_1022&#038;auswahl=null">Fresh TV, das Magazin von und über saarländische Jugendzentren</a>, Anlass, mich zu interviewen. In der aktuellen Sendung Nr. 20 sitze ich quasi zwischen Jugendleitercard und DJ-Workshop auf dem Sofa der Moderatorin Catharina Becker und plaudere plakativ bei einer Tasse Tee (nicht im Bild) über Feminismus <em>light</em>.</p>
<p><script type="text/javascript" src="http://de.sevenload.com/pl/gldUOaq/500x408/0"></script>
<p>Link: <a href="http://de.sevenload.com/videos/gldUOaq-Fresh-Tv-Magazin-20"><img src="http://static.sevenload.net/img/sevenload.png" width="66" height="10" alt="Fresh-Tv-Magazi​n 20" /></a></p>
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		<title>&#8220;Entschuldigung, dass ich auch was sage&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Dec 2009 13:35:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Bitte bei der Mädchenmannschaft weiterlesen, was mich aus der Versenkung kitzelt und/oder wenigstens hier ein kleines Filmchen schauen.

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			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://maedchenmannschaft.net/entschuldigung-dass-ich-auch-was-sage/">Bitte bei der Mädchenmannschaft weiterlesen</a>, was mich aus der Versenkung kitzelt und/oder wenigstens hier ein kleines Filmchen schauen.<br />
<object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/LS37SNYjg8w&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/LS37SNYjg8w&#038;hl=de_DE&#038;fs=1&#038;" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p>
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		<title>Warum er heute Platten ordnet</title>
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		<pubDate>Sat, 02 May 2009 20:26:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schuehsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Teil 1
Alt wie sie war, war sie stolz darauf, alleine zu wohnen und zurecht zu kommen. Ihre Familie war groß und glücklich und ihre Enkelkinder machten gerade Abitur. Seit dem sie alleine war, lebte sie in diesem Stadtteil, in dieser Straße, in dieser Wohnung. Sie wohnte gerne hier weil sie fand, dass es sie jünger [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://schuehsch.net/2009/05/01/warum-er-heute-platten-ordnet/">Teil 1</a></p>
<p>Alt wie sie war, war sie stolz darauf, alleine zu wohnen und zurecht zu kommen. Ihre Familie war groß und glücklich und ihre Enkelkinder machten gerade Abitur. Seit dem sie alleine war, lebte sie in diesem Stadtteil, in dieser Straße, in dieser Wohnung. Sie wohnte gerne hier weil sie fand, dass es sie jünger machte.<br />
Es war ihr sehr wichtig, dass sie aktiv war, nicht einrostete und viel reiste. <span id="more-734"></span>Sie versorgte ihre ganze Familie mit selbstgestrickten Socken, gehäkelten Topflappen und bestickten Handtüchern. Zu Ostern, Weihnachten, Einschulungen, Abschlussfeiern, Taufen, Geburtstagen und anderen Jubiläen besuchte sie ihre Kinder, die im ganzen Land verstreut lebten und war stolze Besitzerin einer Bahncard 100.<br />
Sie mochte es sehr in lauen Sommernächten unter ihrer kleinen Lampe an ihrem großen Fenster zu sitzen und Handarbeiten zu erledigen. Und sie mochte es noch viel mehr, als irgendwann Musik begann, diese Tätigkeit zu begleiten. Sie verbrachte zahlreiche Nächte an diesem Fenster zur Straße hinaus und hatte bald bemerkt, dass die Musik von schräg gegenüber und irgendwann direkt geradeaus kam.</p>
<p>Das verunsicherte ihn völlig. Die Tatsache, dass in den Bussen nicht immer die Namen der Haltestellen angesagt wurden, verunsicherte ihn völlig. Da er der Sprache dieses Landes nur bruchstückhaft mächtig und erst seit wenigen Tagen in dieser Stadt war, war er mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sowieso schon völlig überfordert und die nicht angesagten Haltestellen machten es nicht eben besser. Zu den wenigen Verabredungen, die er hatte, kam er immer zu spät und das auch noch völlig durchgeschwitzt und entnervt. Aber bisher hatte er immer noch nach hause gefunden.<br />
Er lebte in einer kleinen, knauserig möblierten Hinterhofwohnung durch deren zwei Fenster nur zwei Stunden am Tag die Sonne schien. Aber er lebte endlich in diesem Land, was er sich so viele Jahre lang gewünscht hatte. Jeden Tag und viele Nächte arbeitete er daran, seine Sprachkenntnisse und Qualifikationen zu verbessern in der Hoffnung, dass aus seinem sechsmonatigen Praktikum mehr werden könnte.<br />
Als er wieder bis früh in den Morgen an seinem Schreibtisch saß, hörte er Musik. Es waren drei traurige Lieder die ihn an seine Heimat erinnerten, die der Wind durch die Nacht trug. Er lächelte, schaute auf die Uhr, erschrak und ging zufrieden schlafen. Er ging jetzt immer zu Bett, wenn die Musik kam. Kam sie nicht, arbeitete er meist zu lang und schlief zu wenig.</p>
<p>Wenn er es gewusst hätte, wäre das nicht gut gewesen: Ein paar Häuser weiter wartete jede Nacht ein Mädchen auf seine Musik. Er hatte sie damit schon aus Liebeskummer, Schlaflosigkeit und der Leere, die die riesigen Boxentürme der Diskotheken in ihr hinterließen, erlöst.<br />
Eines Nachts machte sie sich auf den Weg, den Menschen, der ihr mit Musik so gut tat, zu besuchen. Sie saß adrett gekleidet, Schuhe und Jacke schon angezogen, ein schmales Päckchen neben sich auf ihrem Bett am Fenster und wartete darauf, dass die Musik anfangen würde. Ihr war klar, dass sie sich ein bisschen würde beeilen müssen, da ja immer nur drei Lieder kamen und ihr nicht mehr Zeit zum Suchen bleiben würde. Als das erste Lied anfing, lief sie durch die Wohnung, die Treppen hinunter, durch den Flur auf die Straße und schaute an den Häusern hinauf. Sie sah nichts auffälliges, folgte nur dem Klang der Musik die Straße hinunter. Vor einem schönen gelben Haus, das ihr noch nie so recht aufgefallen war, blieb sie stehen, lauschte noch einen Moment und war sich dann sicher, dass die Musik von hier kommen müsse. Sie drückte gegen die Haustür, die aber verschlossen war und seufzte. Als es zu regnen anfing, zog sie ihre Jacke zu und schlug den Kragen hoch.<br />
Von einem Bein auf das andere tretend wartete sie darauf, dass jemand hinein ginge oder heraus käme wobei sie mit durch die Tür schlüpfen könnte. Es dauerte ein paar Minuten, dann kam aber ein Mann heraus, der ihr sogar die Tür aufhielt. Dankbar lächelnd ging sie hinein. Die feuchten Sohlen ihrer Turnschuhe quietschten auf dem Kunststoffboden und das Papier um das Päckchen in ihrer Hand war feucht.<br />
In jedem Stockwerk hielt sie ihren Kopf an alle Wohnungstüren und horchte. Meistens war es still, ein mal hörte sie ein Lachen, an einer anderen Tür ein Kind schreien. Ein bisschen außer Atem wegen der vielen Treppen stand sie vor der letzten Wohnungstür ganz oben.<br />
An der Tür stand kein Name. Vorsichtig klopfte sie. Nach drei Dutzend Herzschlägen öffnete sich die Tür und ein junger Mann stand vor ihr.<br />
&#8220;Ja bitte?&#8221;, fragte er.<br />
&#8220;Guten Abend.&#8221;, sagte sie. &#8220;Ich wohne hier in der Nähe und wollte schauen, woher die Musik kommt.&#8221; Sie machte eine Pause. &#8220;Bin ich hier richtig?&#8221; Er überlegte kurz zu lügen, weil sein erster Gedanke Ruhestörung und der Polizei galt, verwarf das aber dann und sagte: &#8220;Ja, die kommt von hier. Habe ich Sie gestört?&#8221; Sie wirkte erleichtert und beeilte sich zu sagen: &#8220;Nein, nein, ich mag das.&#8221;<br />
&#8220;Was?&#8221;, fragte er verdutzt.<br />
&#8220;Na, die Musik in den Straßen. Nachts.&#8221;<br />
&#8220;Ach so.&#8221; &#8230; &#8220;Oh, äh, regnet es?&#8221;<br />
&#8220;Ja, es regnet.&#8221;, sagte sie, deren Haar tropfte.<br />
&#8220;Möchten Sie vielleicht etwas warmes trinken? Ich meine, es ist spät, aber wenn Sie nicht sofort wieder los müssen&#8230; Also ich habe mir gerade Tee gekocht.&#8221;<br />
&#8220;Ja. Gern.&#8221;<br />
Er machte ihr den Weg durch die Tür frei. Sie schob sich die nassen Schuhe von den Füßen, ging seiner wegweisenden Hand folgend durch den bunt bebilderten Flur ins Wohnzimmer, schaute sich um und machte ein paar Schritte auf die Stereoanlage vor einer lindgrünen Wand zu. &#8220;Oh&#8221;, sagte sie, &#8220;Sie haben ja gar keinen Plattenspieler.&#8221; und hielt das feuchte Päckchen hoch.</p>
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		<title>Warum er heute Platten ordnet</title>
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		<pubDate>Fri, 01 May 2009 13:30:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schuehsch</dc:creator>
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		<category><![CDATA[nachts]]></category>

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		<description><![CDATA[Musik war schon immer da. Nicht erst seit dem ersten Herzschlag oder Regentropfen, nein Musik war schon viel länger bei ihm. Sein Vater hatte ihm immer Lieder aus seiner eigenen Jugend vorgespielt und die verbrauchten Geschichten dazu erzählt. Das war schön. Dem Sohn gefiel das und er lernte dabei.
Dann war da das Mädchen. Natürlich war [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Musik war schon immer da. Nicht erst seit dem ersten Herzschlag oder Regentropfen, nein Musik war schon viel länger bei ihm. Sein Vater hatte ihm immer Lieder aus seiner eigenen Jugend vorgespielt und die verbrauchten Geschichten dazu erzählt. Das war schön. Dem Sohn gefiel das und er lernte dabei.</p>
<p>Dann war da das Mädchen. <span id="more-688"></span>Natürlich war da ein ganz bestimmtes Mädchen. Es ist immer ein ganz bestimmtes Mädchen da und dann ändert sich alles. In kausalem Zusammenhang. Sie waren lange zusammen, aber nicht für immer. Es war die eine, aber nicht die letzte. Sie ging im Frühling. Alleine blieb er in ihrer letzten gemeinsamen Wohnung in einem Viertel voller Spielplätze, Yoga-Kurse für Schwangere, Biosupermärkte mit Tiernahrung im Sortiment und Cafés in denen selbstverständlich Baby-Lattes serviert wurden, zurück. Nach ihr war die Wohnung weiß, kahl und leer. In seinem Geist hatte er auf diesem Flur bereits das Trappeln der Füße ihrer gemeinsamen Kinder gehört.<br />
Dann kam er eines Abends im Spätherbst auf die Idee, Musik zu hören. Eigentlich war es schon Nacht. Und eigentlich hatte er schon viel zu viele Überstunden, arbeitete aber trotzdem nicht weniger. Er fuhr in die weiße, kahle, leere Wohnung von der er sich scheute, sie Zuhause zu nennen. Er stellte die großen Boxen seiner Stereoanlage auf die Fensterbank. Dann setzte er sich zwischen die Boxen, lies die Beine aus dem Fenster im dritten Stock baumeln und nichts geschah. Er hörte in dieser Nacht nichts. Die Stadt war leise, die Türen in seiner Wohnung quietschten nicht und auch der Dielenboden hörte auf zu knarzen. Völlig erschöpft und taub von der Stille fiel er im Morgengrauen auf seine Matratze und schlief auf der nicht bezogenen Decke sofort ein.<br />
Am nächsten Morgen ging er zum Bäcker gegenüber und kaufte sich ein Croissant. Er aß es am immer noch offenen Fenster auf einem Klappstuhl vor der Fensterbank zwischen den Boxen sitzend. Dann erst ging er duschen und fuhr zu Arbeit. Es war fast Mittag als er dort ankam.<br />
Irgendwann war Wochenende und er blieb zuhause. Er arbeitete nicht durch wie die Monate davor. Nachts, als er das Alleinsein nicht mehr ertrug, hörte er Musik, öffnete das Fenster und beschallte sanft die verschneite Straße mit Liedern, die dem vergangenen Wir etwas bedeutet hatten. Er war ganz vorsichtig und tatsächlich zerbrach nichts in ihm.<br />
Er nahm sich eine Woche frei. Am Freitag vorher ging er früher und packte. Am Wochenende zog er um. Am Montag Morgen kaufte er sich den kleinsten mp3-Player mit 8GB Speicher, den er finden konnte. Bis Mitternacht hatte er all seine CDs digitalisiert, einen Account im größten online Store für Musik und einen vollen mp3-Player. Das kleine Gerät wurde zu seinem ständigen Begleiter. Dienstag lieh er sich einen kleinen Lieferwagen und fuhr zu einem großen Möbelhaus. Er kaufte Bettwäsche, grellfarbige Handtücher, ein Bett und eine neue Matratze, bunte Gläser und einen großen, schweren Ohrensessel mit Fußhocker. Und Unmengen von CD-Regalen. Mittwoch und Donnerstag jagte er mit einer Putzfrau durch die Wohnungen, räumte alles ein, schmiss vieles weg und bezahlte sie mehr als großzügig. Freitag strich er in jedem Zimmer eine Wand lindgrün und stellte Pflanzen und einen Liegestuhl auf seine Dachterrasse. Am Samstag ging er zum Frisör und bestellte Unmengen von T-Shirts im Internet. Sonntag schlief er aus und fühlte sich zuhause. Sonntagabend packte er seine Anlage aus, verlegte Kabel uns positionierte die Boxen an den Türen seiner Dachterrasse.<br />
Er wohnte jetzt drei Häuser weiter direkt unterm Dach und ging jeden Tag an dem Haus vorbei, in dem er vorher gewohnt hatte. Er sah nie hoch zu den Fenstern im dritten Stock. Als dort Gardinen hingen, hatte er schon vergessen und das Haus war nur noch ein Haus wie alle anderen in der Straße.<br />
Als er soweit war, dass er unter dem Himmel lauer Sommernächte Musik spielte, dachte er auf der Arbeit mehr über die maximal drei Stücke, die er der Straße pro Nacht gönnte, nach als über seine Projekte oder das gegangene Mädchen. Er mochte es so. Er vergaß sie über die Musik hinweg.<br />
Nachts, immer erst weit nach Mitternacht, öffnete er die Türen zur Dachterrasse, legte drei CDs in den Wechsler seiner Anlage oder spielte eine der sehr kurzen Playlists auf seinem Computer ab. Dann legte er sich in den Liegestuhl und manchmal schlief er dort ein. Er kaufte immer wieder noch bessere Boxen, Kabel und Stecker, bis er mit dem Klang zufrieden war. Ganz zufrieden war er natürlich nie, aber wenigstens für eine kleine Ewigkeit befriedigt. Er genoss es. Es kam nie die Polizei. In allen Audiogeschäften der Stadt kannte man ihn. Nie sprach er mit jemanden über diese Nächte voller Töne. Er hätte auch nicht gewusst, wozu.</p>
<p><a href="http://schuehsch.net/2009/05/02/warum-er-heute-platten-ordnet/">Teil 2</a></p>
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		<title>Was ist wunderschön?</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Oct 2008 18:05:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schuehsch</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist Herbst. Vor einem Kindergarten stehen herbstlich verfärbte Ahornbäume an einer Bushaltestelle. Eine Frau und ein ein kleines Mädchen stellen sich unter die Bäume und warten auf einen Bus. Das Kind hebt ein verfärbtes Ahornblatt auf, hält es zur Frau und fragt: &#8220;Mama, ist der Blatt wunderschön?&#8221;. Gelangweilt schaut die Gefragte hinunter. &#8220;Naja, es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist Herbst. Vor einem Kindergarten stehen herbstlich verfärbte Ahornbäume an einer Bushaltestelle. Eine Frau und ein ein kleines Mädchen stellen sich unter die Bäume und warten auf einen Bus. Das Kind hebt ein verfärbtes Ahornblatt auf, hält es zur Frau und fragt: &#8220;Mama, ist der Blatt wunderschön?&#8221;. Gelangweilt schaut die Gefragte hinunter. &#8220;Naja, es ist halt gelb.&#8221; Das Kind lässt den Arm sinken und schaut auf das Blatt. Dann lässt es das Ahornblatt zu Boden segeln.</p>
<p>~~~</p>
<p>Es ist so einfach, daneben zu stehen und sich zu denken, dass man dem kleinen Mädchen die Welt besser erklären könnte, auf so eine Frage  mit einer ganzen Geschichte antworten und zum Basteln Laub mit nach Hause nehmen würde. Aber vielleicht würde sowas das kleine Mädchen auch langweilen.</p>
<p>Und heute fiel mir noch ein, dass man loben könnte, dass die als Mutter angesprochene nicht einfach gesagt hat: &#8220;Es heißt DAS Blatt.&#8221;</p>
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