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	<title>schuehsch.net &#187; Freitag</title>
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	<description>Das Feuerwerk der Möglichkeiten</description>
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		<title>jede nacht geht sie auf reisen</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Aug 2009 19:01:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schuehsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gutenachtgeschichten]]></category>
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		<description><![CDATA[Nichts wird nicht davon besser, dass man merkt, dass man sich selbst noch am meisten leid tut. Irgendwann ist alles Vergangenheit. Auch alles Übel, sowohl das große, als auch das kleine. Und auch Pest und Cholera. Bis wohin reicht mein Leben und wo beginnt die Nacht?
Die Zeit vergeht.
Zum Vergessen lege ich mich schlafen und zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nichts wird nicht davon besser, dass man merkt, dass man sich selbst noch am meisten leid tut. Irgendwann ist alles Vergangenheit. Auch alles Übel, sowohl das große, als auch das kleine. Und auch Pest und Cholera. <a href="http://www.rilke.de/gedichte/die_liebende_neue_gedichte.htm">Bis wohin reicht mein Leben und wo beginnt die Nacht?</a></p>
<p><strong>Die Zeit vergeht.</strong><br />
Zum Vergessen lege ich mich schlafen und zum Atmen sprinte ich über feuchte Erde. Es riecht sehr laut nach Wald.</p>
<p><strong>Dann ist da ein Freitag.</strong><br />
Was ich vor meinem inneren Auge sehe, wenn ich diese Musik höre, macht meine Netzhaut taub. Wenn es draußen laut ist, ist es vielleicht endlich innen still. Und als ich die Augen wieder aufmache, ist die Tanzfläche leer und ein anderer Tag. Dabei hat der DJ doch nur drei Lieder gespielt. Wie kann es schon halb sechs in der früh sein?</p>
<p><strong>Dann ist da ein Sonntag.</strong><br />
Meine neue Mitbewohnerin klopft und fragt:&#8221;Was tust Du da?&#8221; -&#8221;Inszeniere mein ungeschriebenes Theaterstück.&#8221; Wortlos schließt sie die Tür.</p>
<p><strong>Die Zeit heilt alle Wunder &#8211; Ich bin ein Vorgang, legt mich zu den Akten.</strong><br />
Aber um dort anzukommen wo alles vorbei ist, dazu muss man erst mal losgehen. Vielleicht stellt man sich unüberwundenen Pfaden, steinigen Routen in Höhen wo die Luft so dünn ist, dass ihre Existenz verneint werden kann oder stolpert nur mit hängendem Kopf über löchrigen Asphalt. Aber man muss los gehen. Ohne Start kein Ziel. Vielleicht kommt da jemand, der spendet einem Windschatten, vielleicht gibt es Rückenwind. Aber reinhauen, das muss man selbst. Den Zeitpunkt bestimmt man sehr oft auch noch selbst. Bis man anfängt kann man noch ein bisschen weinen, jammern, klagen. Vielleicht, weil es wirklich so schlimm ist. Vielleicht, weil man meint, man müsse jetzt jammern. Vielleicht aber auch nur aus Eitelkeit.</p>
<p>Genug. Muss los. Universe applauds action, not thoughts. Ich ziehe mir die Laufschuhe an und gehe los. Die Schulterklappen haben sich schon zu Flügeln ausgewachsen.</p>
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		<title>So hätte es auch kommen können</title>
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		<pubDate>Fri, 24 Oct 2008 20:04:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schuehsch</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gutenachtgeschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Fahrrad]]></category>
		<category><![CDATA[Freitag]]></category>
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		<category><![CDATA[Techno]]></category>

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		<description><![CDATA[Seitdem schreckte er jeden Morgen vor dem Weckerklingeln hoch. Seitdem stand er immer sofort auf, sobald er wach war. Er ging ins Bad, war schnell fertig, zog sich an. Seitdem war er immer schlicht gekleidet. Er wollte nicht unnötig auffallen. Seitdem hatte er unfassbar viel zu tun. Er war den ganzen Tag damit beschäftigt, Dinge [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Seitdem schreckte er jeden Morgen vor dem Weckerklingeln hoch. Seitdem stand er immer sofort auf, sobald er wach war. Er ging ins Bad, war schnell fertig, zog sich an. Seitdem war er immer schlicht gekleidet. Er wollte nicht unnötig auffallen. Seitdem hatte er unfassbar viel zu tun. Er war den ganzen Tag damit beschäftigt, Dinge zu erledigen. Für alles hatte er To-Do-Listen. Auf DIN A 5 Zetteln notierte er mit schwarzem Fineliner, was er zu den Mahlzeiten zu essen, auf der Arbeit zu tun, in Telefonaten zu sagen und im Supermarkt zu kaufen hatte. Fein säuberlich gefaltet, ineinander gelegt und nach Tageszeit sortiert, steckten sie als kleines Bündel in <span id="more-539"></span>der Tasche seines Hemdes.<br />
Auf der Liste zum Frühstück stand, was er zu essen hatte, weil es sonst schlecht werden würde. Außerdem hatte er sich notiert, wo er heute seine erste Ration Nachrichten lesen oder ob er doch schon mal seine Mails beantworten würde. Wenn ihn ein Zipperlein plagte, notierte er sich auch, welchen Tee er zur Linderung trinken sollte. Er hatte viele Tees.<br />
Seitdem tat er immer, was auf seinen Listen stand. Er tat nie nur eine Sache. Beim Essen las er Nachrichten oder befand sich in einem Meeting. Während Telefonaten räumte er seinen Schreibtisch auf. Wenn er mit dem Rad zur Arbeit fuhr, telefonierte er mit seiner Mutter oder er schrieb Listen. Zu diesem Zweck hatte er sich ein kleines Klemmbrett aus Kunststoff am Lenker montiert, an dem er Zettel und Stift so befestigen konnte, dass sie weder runterfielen noch vom Wind durchblättert werden konnten. Einhändig fuhr und notierte er. Das konnte er gut.<br />
Auf der Arbeit fing er direkt an zu schuften. Jeden Tag schaffte er mehr als seine Kollegen. Niemand konnte sich erinnern, dass er jemals einen Fehler gemacht hatte. Vom ersten Tag an hatte er keine Fragen gehabt und jede ihm übertragene Aufgabe hervorragend erledigt. Noch dazu war er höflich, freundlich und geduldig. Man sprach bereits davon, ihn zum Abteilungsleiter zu machen, obwohl er erst seit acht Wochen in der Firma war.<br />
Nach der Arbeit radelte er zu einem Supermarkt, während er Listen schrieb. Er kaufte ein, während er telefonierte, packte alles ein, während er bezahlte und fuhr nach hause, während er Nachrichten hörte. Beim Abendessen ging er seine Post durch. Anschließend kümmerte er sich um seine Wohnung und kombinierte je nach Notwendigkeit Tätigkeiten wie Wäschewaschen, Blumengießen, Staubsaugen, Fensterputzen, Abwaschen und Aufräumen. Dazu hörte er meist klassische Musik. Dann trank er noch einen Kräutertee, vervollständigte und sortierte ein letztes Mal für den Tag seine Listen und ging dann schlafen. Es sei denn, es war Freitag.<br />
Seitdem ging er freitags tanzen.<br />
T-Shirts in grellen Farben, abgewetzte Jeans, grobe Armbänder &#8211; so fuhr er mit der U-Bahn in die großen Techno-Schuppen seiner Stadt. Auf dem Weg dorthin hörte er Musik und las Mails oder Nachrichten. Sie kannten ihn überall, er kam immer rein. Sie kannten ihn noch von früher. Seitdem hielt er immer kurz inne, wenn er so einen Laden betreten hatte und freute sich einen kleinen Moment lang, nun auf dieser Seite des Mischpults zu stehen. Er mischte sich in die Menge und tanzte.<br />
Sonst tat er nichts. Er bewegte sich zur Musik, ging völlig in den Klängen auf, sah mit geschlossenen Augen Farben, spürte das Außen nicht mehr und vergaß Zeit und Raum. Seitdem tanzte er die Wochenenden durch, fiel Sonntagnachmittag ins Bett und wachte montags vor dem Weckerklingeln auf. Seitdem sie sich vor zwölf Wochen getrennt hatten und er vor zehn Wochen ausgezogen war, war das so. Seitdem er sich dazu entschieden hatte, nicht mehr nachzudenken, tat er nie nur eine Sache.<br />
Dieses Mal wachte er Samstagmorgen auf, ein geprügeltes Schlagzeug im Ohr, schwache Sonnenstrahlen durch blinde Scheiben in den Augen, kalten Luftzug an den Schultern. Auf dem Boden. Eines völlig überfüllten Zuges. Auf dem Weg in eine andere Stadt. Zu ihr. Nicht ohne sie an seiner Seite. Nie wieder.</p>
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