jede nacht geht sie auf reisen

Gutenachtgeschichten — Tags: , , , , — schuehsch @ 17. August 2009, 21:01

Nichts wird nicht davon besser, dass man merkt, dass man sich selbst noch am meisten leid tut. Irgendwann ist alles Vergangenheit. Auch alles Übel, sowohl das große, als auch das kleine. Und auch Pest und Cholera. Bis wohin reicht mein Leben und wo beginnt die Nacht?

Die Zeit vergeht.
Zum Vergessen lege ich mich schlafen und zum Atmen sprinte ich über feuchte Erde. Es riecht sehr laut nach Wald.

Dann ist da ein Freitag.
Was ich vor meinem inneren Auge sehe, wenn ich diese Musik höre, macht meine Netzhaut taub. Wenn es draußen laut ist, ist es vielleicht endlich innen still. Und als ich die Augen wieder aufmache, ist die Tanzfläche leer und ein anderer Tag. Dabei hat der DJ doch nur drei Lieder gespielt. Wie kann es schon halb sechs in der früh sein?

Dann ist da ein Sonntag.
Meine neue Mitbewohnerin klopft und fragt:”Was tust Du da?” -”Inszeniere mein ungeschriebenes Theaterstück.” Wortlos schließt sie die Tür.

Die Zeit heilt alle Wunder – Ich bin ein Vorgang, legt mich zu den Akten.
Aber um dort anzukommen wo alles vorbei ist, dazu muss man erst mal losgehen. Vielleicht stellt man sich unüberwundenen Pfaden, steinigen Routen in Höhen wo die Luft so dünn ist, dass ihre Existenz verneint werden kann oder stolpert nur mit hängendem Kopf über löchrigen Asphalt. Aber man muss los gehen. Ohne Start kein Ziel. Vielleicht kommt da jemand, der spendet einem Windschatten, vielleicht gibt es Rückenwind. Aber reinhauen, das muss man selbst. Den Zeitpunkt bestimmt man sehr oft auch noch selbst. Bis man anfängt kann man noch ein bisschen weinen, jammern, klagen. Vielleicht, weil es wirklich so schlimm ist. Vielleicht, weil man meint, man müsse jetzt jammern. Vielleicht aber auch nur aus Eitelkeit.

Genug. Muss los. Universe applauds action, not thoughts. Ich ziehe mir die Laufschuhe an und gehe los. Die Schulterklappen haben sich schon zu Flügeln ausgewachsen.

So hätte es auch kommen können

Gutenachtgeschichten — Tags: , , , — schuehsch @ 24. October 2008, 22:04

Seitdem schreckte er jeden Morgen vor dem Weckerklingeln hoch. Seitdem stand er immer sofort auf, sobald er wach war. Er ging ins Bad, war schnell fertig, zog sich an. Seitdem war er immer schlicht gekleidet. Er wollte nicht unnötig auffallen. Seitdem hatte er unfassbar viel zu tun. Er war den ganzen Tag damit beschäftigt, Dinge zu erledigen. Für alles hatte er To-Do-Listen. Auf DIN A 5 Zetteln notierte er mit schwarzem Fineliner, was er zu den Mahlzeiten zu essen, auf der Arbeit zu tun, in Telefonaten zu sagen und im Supermarkt zu kaufen hatte. Fein säuberlich gefaltet, ineinander gelegt und nach Tageszeit sortiert, steckten sie als kleines Bündel in (more…)

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