Emma
Gestern habe ich Emma kennen gelernt.
Gestern war ein sonniger Tag und ich habe vor dem Haus, in dem ich wohne, auf dem breiten Bürgersteig an meinem Fahrrad geschraubt. Denn auf dem Weg hierher hatte irgendwas geklappert. Irgendwas klappert immer. Aber das dulde ich nicht und schraube dann eben. Erst kam eine Katze. Die Nachbarskatze, ein wunderschönes flauschiges Tier, dass oft laut maunzt, sich auch anschauen und Menschen nahe kommen lässt, aber anfassen darf man sie nicht, keines Falls.
Dann kam Emma. Emma kam in Begleitung eines jungen Mannes dem der Vaterstolz ins schweißige Gesicht geschrieben stand. Emma stapfte an seiner Hand schnurstraks auf die Katze zu, ausstafiert mit Sonnenhütchen und langen Hosen. Die Katze wollte nicht und war schneller weg als Emma es begreifen konnte. Dann stapfte sie auf mich zu. Emma hatte echt die Hosen an. Das ungleiche Team blieb vor mir stehen und sah mir beim Schrauben zu. “Stören wir?”, fragte der mutmaßliche Vater. “Nee, kein Thema”.
Ich hattte einen Imbusschlüssel neben mich auf den Bürgersteig gelegt, nachdem Emma nun griff und ihn brabbelnd hoch hielt. “Willst du auch mal an Fahrrädern schrauben, wenn du groß bist?”, fragte ihre Gehhilfe. Emma strahlte. “Ja, mach mal. Damit beeindruckst du jeden Mann.”, mischte ich mich ein. Und fügte schnell hinzu: “Und jede Frau.” Da gluckste Emma. “Was dir aber auch egal sein kann, wenn du dein Rad eh selbst reparieren kannst.”
Der Vater schaute mich an, Emma ihren Imbusschlüssel und die Katze floh von einem Auto zum nächsten.
Gestern war ein schöner Nachmittag.