viel freie Zeit
Da bleibt mir viel freie Zeit.
Um ein Bild im Zimmer zu fragen, wie ihm die Arbeit gefällt,
um die Uhr zu fragen, ob sie müde ist,
und die Nacht, wie sie geschlafen hat.
…aber das hier ist ein Auto mit französischem Kennzeichen und Jamaika-Flagge, das am Wochenende in Saarbrücken vor der Johanneskirche stand (man erkennt das Saarbahn-Haltestellenschild hinten rechts nur schlecht). Das nenn ich mal grenzüberschreitende, europäische Politik.
Manchmal denke ich schwer seufzend daran, was ich noch alles reparieren, basteln, umgestalten, planen will.
Manchmal denke ich, dass ich schon alles habe und mir zu allen nächsten Gelegenheiten ausschließlich nichts oder Geld und Blumen wünschen werde.
Jetzt gerade denke ich, dass ich alles habe, was mich glücklich macht.
Nichts wird nicht davon besser, dass man merkt, dass man sich selbst noch am meisten leid tut. Irgendwann ist alles Vergangenheit. Auch alles Übel, sowohl das große, als auch das kleine. Und auch Pest und Cholera. Bis wohin reicht mein Leben und wo beginnt die Nacht?
Die Zeit vergeht.
Zum Vergessen lege ich mich schlafen und zum Atmen sprinte ich über feuchte Erde. Es riecht sehr laut nach Wald.
Dann ist da ein Freitag.
Was ich vor meinem inneren Auge sehe, wenn ich diese Musik höre, macht meine Netzhaut taub. Wenn es draußen laut ist, ist es vielleicht endlich innen still. Und als ich die Augen wieder aufmache, ist die Tanzfläche leer und ein anderer Tag. Dabei hat der DJ doch nur drei Lieder gespielt. Wie kann es schon halb sechs in der früh sein?
Dann ist da ein Sonntag.
Meine neue Mitbewohnerin klopft und fragt:”Was tust Du da?” -”Inszeniere mein ungeschriebenes Theaterstück.” Wortlos schließt sie die Tür.
Die Zeit heilt alle Wunder – Ich bin ein Vorgang, legt mich zu den Akten.
Aber um dort anzukommen wo alles vorbei ist, dazu muss man erst mal losgehen. Vielleicht stellt man sich unüberwundenen Pfaden, steinigen Routen in Höhen wo die Luft so dünn ist, dass ihre Existenz verneint werden kann oder stolpert nur mit hängendem Kopf über löchrigen Asphalt. Aber man muss los gehen. Ohne Start kein Ziel. Vielleicht kommt da jemand, der spendet einem Windschatten, vielleicht gibt es Rückenwind. Aber reinhauen, das muss man selbst. Den Zeitpunkt bestimmt man sehr oft auch noch selbst. Bis man anfängt kann man noch ein bisschen weinen, jammern, klagen. Vielleicht, weil es wirklich so schlimm ist. Vielleicht, weil man meint, man müsse jetzt jammern. Vielleicht aber auch nur aus Eitelkeit.
Genug. Muss los. Universe applauds action, not thoughts. Ich ziehe mir die Laufschuhe an und gehe los. Die Schulterklappen haben sich schon zu Flügeln ausgewachsen.
“Hallo, ich bin’s.”
Sein Herz fing an zu rasen, die Innenflächen seiner Hände wurden feucht und sein Mund wurde trocken. “Hallo.”, sagte er leise und intonationslos. “Kann ich vorbeikommen?” Ihm war, als hätte er aufgehört zu atmen. Er räusperte sich. “Äh, ich habe nicht… Also es ist nicht aufgeräumt und ich muss heute Nacht arbeiten, aber… ähm, ja, ok. Also, wenn Du willst… Jedenfalls… Ich hab nix vor und bin hier.” “Gut, bis gleich, ich schwing mich direkt auf’s Rad.” Sie legte auf. Er zündete sich eine selbstgedrehte Zigarette an und musste bei jedem Zug husten. (more…)
Neulich fand ich diesen Text wieder. Allein die Idee ist mindestens fünf Jahre alt, genau weiß ich’s nicht. Es ist fast unheimlich, wie hier einiges ineinander läuft und doch keinesfalls vermischt. Erstaunlich ist weiterhin, dass ich heute nur wenig daran deutlich ändern, aber viele Nuancen deutlicher färben würde. Aber ich habe den Text nicht verändert, er ist, wie ich ihn in einem Backup gefunden habt. Ich verschenke die Idee hinter diesen Zeilen. Manchmal weiß man, was man hat, wenn man sich an den Händen hält.
ZWEITENS (more…)