Maxi lesen, wenn man Missy kennt

Test — Tags: , , , , , , — schuehsch @ 4. January 2009, 23:28

Aus ungeklärten Gründen, die viel mit Zufälligkeiten zu tun haben, befindet sich die September 2008 Ausgabe der Maxi (Deutschland) in meinem Besitz. Das theoretisch beiliegende “Plus: ‘Green Glamour’ – der große Style-Guide (52 Seiten!)” kam mir abhanden, bevor ich ihn eines Blickes würdigen konnte. Mein Maxi-Exemplar habe ich nach dem Missy Magazine gelesen und schubse nun folgende Auffälligkeiten in Pixel.

Der erste Eindruck, den der Umschlag komplett alleine macht, stimmt korrekt ein. Das Papier ist nichts Besonderes, das Layout auch nicht, von den angepriesenen Themen finde ich genau eines spannend: “Der Job neben dem Job – wie man mit einer guten Idee glücklich wird” (ist dann doch nur wenig mehr als eine Bilderserie mit langen Bildtexten). Es geht in der Hälfte der Titelthemen um Männer. Zur Frage, ob der Freund meiner Freundin “streng verboten” ist, wird mir ein Text versprochen und zu Männern im allgemeinen (“wen wir lieben, wer uns nervt, wen wir nie vergessen werden”) gibt es gleich ein ganzes Dossier. Ansonsten hält der Jugendwahn bereits hier Einzug (“Wie alt bist du wirklich? Warum so viele 35-Jährige denken, fühlen und aussehen wie 25-Jährige”). Mein Highlight: “‘Lass mal gut sein, Süßer’ Worauf Frauen im Bett gerne verzichten würden”. Dieses Titelthema (!) wird dann auf einer Doppelseite (inkl. ganzseitigem Foto) abgehandelt indem fünf Autorinnen in jeweils einem kurzen Text erklären, was sie warum nicht mögen. Davon ist einer, nämlich “Federn lassen, bitte!” von Anna Schopf, wirklich frech, gut geschrieben und lustig. Die anderen sind so lala und suggerieren im schlimmsten Falle dass das, was man über sexuelle Bedürfnisse von Frauen vor 200 Jahren dachte, wahr ist. Andere Titelthemen werden ähnlich spärlich mit geringem inhaltlichen Nährwert abgehandelt.
Um die Titelthemen herum gibt es noch mehr bunt bedrucktes Papier: Auf den Seiten 51-65 soll ich kaufen, auf den Seiten 98, 100 und 102-105 wird mir suggeriert, dass ich nicht schön bin und deshalb folgende Schönheitprodukte zu erstehen habe. Auf den Seiten 16, 20, 66-70 und 80 wird mir suggeriert, dass ich schlecht angezogen oder zumindest nicht hip bin und deshalb für unfassbare Mengen von Geld Klamotten kaufen soll. Die vorgeschlagenen Styles sind doof. Entweder, weil ich sie im Büro nicht tragen kann, privat niemals anziehen würde oder so viel Geld für Kleidung nicht ausgeben will. Inspirierend? Najanee, sorry, didn’t work – da nutze ich dann eher unten erwähntes Blog oder doch ganz andere Quellen.

Natürlich ist viel Werbung drinne (Triumph hat gerade erstaunlich hässliche Models), Horoskope und ich denke an mehreren Stellen “glaube keiner Statistik, die du selbst gefälscht hast”. Bei “Will ich einen neuen Busen?” schlucke ich ein “Haaaallooooo?” runter und denke mir, dass es sicherlich Frauen gibt, für die das ein relevantes Thema ist. Jetzt frage ich mich nur ernsthaft, ob diese Frauen zu diesem Thema Rat von der Maxi wollen. Wer ist hier eigentlich die Zielgruppe? Frauen (wobei ich mir bei dem “Worauf Frauen im Bett gerne verzichten würde”-Text nicht sicher bin) und zwar Frauen mit Geld. Da weder die Backstreet Boys (falls die noch aktuell sind…) noch Strickmuster vorkommen, denke ich mir, dass reiche Frauen zwischen 17 und 55 gemeint sind. Reicht das? Sollte sich das nicht genauer abzeichnen?
Ich könnte noch viel mehr meckern.

Neben dem kurzen Text von Anna Schopf gibt es noch einen Artikel, über den ich mich gefreut habe und einen, den ich interessant fand. Interessant war “‘Warum finden Sie, dass die Deutschen keinen Stil haben?’”, ein Interview mit Yvan Rodic, dem Menschen, der http://facehunter.blogspot.com/ macht, weil es mich an eben diese Homepage erinnert hat. Wirklich gefreut habe ich mich über “Fantastisch!”. In einer Fotoserie werden Konzertbesucher gezeigt, die sich wie ihre Stars angezogen haben (btw: Warum beim Mini-Text dazu die Autorin genannt wird, ist mir schleierhaft. Das ist etwa so, als würde der Praktikant, der Teaser verfasst, überall auch namentlich genannt.). Die Idee ist allerdings dem Buch “The Disciples” von James Mollison entnommen, also auch irgendwie… gemogelt.
Ja, bestimmt urteile ich unfair und dem Genre nicht angepasst. Aber hey, was ist denn das für ein Frauenbild, das da Ausgabe für Ausgabe transportiert wird? Wo bitte wird Weiblichkeit hier ernst genommen? Es ist doch einfach nicht schön, wenn eine Frau, die mit Männern und der Welt im Reinen ist und andere Hobbies hat als Geld auszugeben (es soll davon mehrere geben, ich habe schon oft davon gehört!), eine FRAUENzeitschrift nur Schulter zuckend wegtun kann. Wahrscheinlich werde ich nie wieder Frauenzeitschriften lesen können, ohne mich aufzuregen.

2 Comments »

  1. [...] Maxi lesen, wenn man Missy kennt Schuehsch über das Frauenzeitschriftenlesen post Missy. (tags: frauen frauenzeitschriften print zeitschrift missy geschlecht weiblichkeit körper) [...]

  2. [...] der von mir sehr geschätzten Frauenzeitschrift Maxi (was nichts mit dem Namen zu tun hat, sie könnte auch… Cinderella heißen und ich fände sie [...]

    Pingback by schuehsch.net » entweder… oder… — 4. June 2009 @ 09:30

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