you’re still goin’ strong
Sein Blackberry sagt ihm, dass er seit 20 Minuten auf einer Geburtstagsparty ist. Korrektur: sein sollte. Er hetzt in einen Supermarkt. Mitbringsel. Zwei Frauen. Am Schokoladenregal nervös die Regale nach etwas Brauchbarem scannend wird sein Blick von Rafaelos festgehalten.
Er kauft zwei Flaschen Chantré und eine riesige Schachtel Pralinen. Sie werden sich schon nicht beschweren, dass er sie mästen will. Schließlich kennt er sie kaum. Für sich: Rafaelos. Sein Magen knurrt, außer zwei Müsliriegeln aus dem Vorrat seiner Mitbewohnerin hat er heute nichts gegessen. Die sollen ihm morgen den Sonntag zu einem Sonntag machen, kann ja so nicht weitergehen. Außerdem ist er verliebt und sie nicht hier. Das frisst den Magen leer. Und Zeit. Ein Blick auf die Uhr, schnell an die Kasse, in den Bus. Natürlich ruft jetzt sein Kollege an. Die Server rühren sich nicht. Es ist Samstag, natürlich passiert das genau jetzt. Er legt auf, ruft den Zuständigen an. Ja, Nachtschicht, bitte jetzt. Es klingelt direkt wieder – jetzt ruft noch seine Mutter an. Ja, doch, es geht ihm ganz gut. Er lügt und sagt, dass er in der Kantine war. Nein, die neuen Medikamente gegen den Heuschnupfen helfen auch nicht. Ja, alles Mist. Er erzählt nicht von der, die weit weg wohnt, seine Mutter verstünde es eh nicht. Und er ist zu gestresst um seine Begeisterung zu vermitteln.
Als er auflegt, sieht er, dass er neue E-Mails hat. Er ignoriert das animierte Icon und steigt aus dem Bus. Wo war’s noch mal? Google Maps. Ah, zwei Straßen weiter. Dritter Stock, das weiß er noch, und der Lärm verrät ihm auch, welche Tür. Zwei Frauen, richtig. Von irgendwem mit Dreitagebart erfährt er im Flur neben dem voluminösen Schuhschrank, dass die eine vor fünf Tagen hatte und die andere in drei Stunden. Hatte – was? Geburtstag. Ach so, natürlich. Es ist 21 Uhr.
Als er also der ersten die eine Falsche Chantré aus seinem Rucksack fischt, ihr die Pralinen in die Hand drückt und sagen will, dass man sie teilen solle, quiekt die andere entzückt auf: “Mir hast Du Rafaelo mitgebracht, oh wie nett! Kann ich die jetzt schon essen, ich mag die soooo gerne!?” Er denkt sich ein “^^” dazu. Sein Rucksack steht offen, man sieht die weiße Schachtel. Mist. Seine gute Kinderstube verbietet ihm, ihr das Gewünschte vorzuenthalten. Das war’s dann mit Sonntag.
Mit einer SMS holt ihn ein Auftrag ein, den er wochenlang prokrastiniert hat, aber er nimmt sich noch ein Bier. Morgen ist noch Wochenende. Montag. Lange hält er nicht durch, nimmt den letzten Bus um kurz nach eins. Kleinstadt. Unterwegs liest er seine Mails.
Die Wohnung ist leer, seine Mitbewohnerin bei ihrem neuen Freund. Er lässt sich auf seine durchgelegene Matratze fallen, zugeschwollene Augen, schmerzender Nacken, schwacher Akku und tippt noch eine SMS: “Ich will Urlaub mit Dir #habdichlieb”. Erschöpft fällt er in einen unruhigen Schlaf. Als er endlich in den Morgenstunden mehr als zwei Stunden am Stück durchschläft wacht das Mädchen am anderen Ende der SMS auf und schreibt zurück: “Ich bin für die Südsee. Wegen der vielen Rafaelo da, you know? #ichdichauch”.
Am Montag ist ein Päckchen von ihr da. Kuchen, Rafaelo und ein Brief.



Schön, dass du diesen Beitrag nun endlich veröffentlicht hast. In ihm ist viel Raum für Interpretationen. Jeglicher Art.
Na? Hat da jemand einen Vertrag mit Rafaelo abgeschlossen?
Klingt nach einem ganz normalen ArbeitsFeierAbend im Web.2.5-Zeitalter. Aber Chanctre? Ich weiß nicht, ich weiß nicht …
Nein, nein, kein Vertrag mit Rafaelo. Aber ich gebe zu, dass ich sie sau gern mag ;) Und wa sbitte spricht gegen Chantre?