Berlin 08 - das Festival für junge Politik ist vorbei. Seit ungefähr einem dreiviertel Jahr habe ich bei bei der Vorbereitung mitgemischt, Programmpunkte geplant, Teilnehmer gesucht und Interviews über das Festival und mein Engagement gegeben. Jetzt ist der größte Teil vorbei. Ich habe es genossen.
Wie auch schon 2005 fand das Festival in der Berliner Wuhlheide statt - ein Gelände, das wie geschaffen ist für eine Veranstaltung dieser Art. Vom 13. bis zum 15. Juni rannten, turnten, riefen einige tausend Jugendliche über das Gelände und hatten hoffentlich trotz gelegentlichem Regen ihren Spaß.
Da ich viel zu tun hatte, zum Beispiel jeden morgen die Infoscouts gebrieft habe und auch noch auf einem Podium saß, habe ich nur einen Bruchteil des etwa 600 Einzelveranstaltungen umfassenden Programms mitbekommen. Um eine Idee von der Arbeit zu geben, hier der Schreibtisch der Programmtaskforce. Leer, weil alle über das Gelände spurten und vor Ort eingreifen. Auch an dieser Stelle noch mal ein dickes Danke an den talentierten Helfer, der es irgendwie geschafft hat, dem unwirschen Caterer eine Kiste Bionade aus den Rippen zu leiern! Im Archiv des Twitter-Accounts kann man einiges nachlesen. Und ich möchte es mir nicht nehmen lassen, mit Bildern von Kathrin Grannemann (die ersten drei Bilder sind von ihr) zu illustrieren, was mir besonders gut gefallen hat.
Wirklich gefreut hat mich, dass das Hallenprojekt bei Berlin08 war. Hier sehen wir (von rechts nach links) @sebaso, @langalex, @plomlompom und @ms_sophie bei der Arbeit in ihrer Halle. Natürlich waren noch viel mehr Leute da - zum Beispiel @zisziszis, @Katti und @moeffju (der auch ein apartes Projekt zum Thema Redefreiheit gemacht hat!). Hinter dem Hallenprojekt steht eine großartige Gemeinschaftsidee und eine angenehm lockere und moderne Vorstellung davon, wie Arbeit sein sollte.
Die Idee zum Bällebad kam von einigen jungen Leuten aus dem Umfeld der Jungen Presse Bayern - natürlich bekennende Fans des Ikea-Smålands. Da die Bälle doch erstaunlich teuer und vor allem in Maßen aufwändig zu transportieren sind, stand das Projekt lange auf der Kippe. Es geht nicht nur darum, die Zeit im bunten Bad zu genießen, sondern Pappkärtchen zu erwischen, die über rechtsextremistische Symbole aufklären. Schließlich waren wir bei einem Festival mit politischem Anspruch ;) Von den gleichen Leuten kam die Idee zum Projekt “Die Grundrechte gehen baden”. Mit Schablone und Airbrush wurde auf den Körpern williger Teilnehmer der Schriftzug eine zu erhaltenden Grundrechts aufgesprüht (ging nach zwei Mal duschen wieder ab, habe ich selbst erprobt ;)) und dann gingen die Grundrechte baden - man sprang gemeinsam in den Badesee auf dem Gelände der Wuhlheide. Auch eine Idee, die ich sehr kreativ und ansprechend fand!
Was man den letzten zwei Bildern ansieht ist die bedauerliche Tatsache, dass die Teilnehmerzahlen doch ein wenig hinter den Erwartungen zurück geblieben sind. Worum es bei dem Projekt mit dem hübschen Europa-Wegweiser ging, weiß ich leider nicht, wollte es aber zeigen um mal die Bandbreite der politischen Veranstaltungen anzudeuten (nein, die Werbeagentur des Festivals bezahlt mich nicht :p). Es gab tatsächlich quasi alles, was Jugendliche so interessiert.
Ich bin leider viel zu spät drauf gekommen, im VIP-Catering zu essen (den Blick von der Terrasse an dieser Kantine sieht man hier).
Der Caterer für Helfer und normale Crew-Mitglieder war nämlich… äh… nicht optimal auf die Bedürfnisse seiner Kunden eingestellt. Es gab Kasseler mit Würstchen, Schmorbraten, Frikadellen und Senf - ein Fest für die ca. 45% Vegetarier. Und größtenteils aus der Kühltheke von Aldi Süd. Naja, die Bühnenaufbauer und Bodyguards haben sich sicherlich gefreut. Hier also der Blick von der Terrasse die zum VIP-Catering gehörte - oberstes Stockwerk vom FEZ, dem größten Gebäude in der Wuhlheide. Man sieht Wasserbecken mit Nebenbühne, den anderen Teil vom FEZ (hinter dem “Kindermuseum”-Schriftzug war unser Büro) und die Sitzgelegenheiten des Teilnehmer-Catering. Ich könnte noch viel mehr zeigen und erzählen, lasse es jetzt aber einfach. Wenn es ein weiteres Berlin** Festival gibt, freu ich mich drauf, dabei zu sein, hoffe aber insgeheim auf eine Namensänderung…
Was sieht er bitter aus. Gegenüber, auf der anderen Seite des Hinterhofs, wohnt ein Typ - allein. In einer viel zu großen Wohnung. Manchmal seh ich ihn, meist aber nur seine Klamotten, die er abends über die Leinen auf dem Balkon aufhängt und erst nach Tagen abnimmt. Und jetzt: Mehr Ränder als Augen, volle Aschenbecher und leere Flaschen. Das kannte ich auch.
Tage später seh ich den drüben halbherzig die Flaschen in Plastiktüten packen. Zugenommen hat er auch. Unrasiert. Der Typ nimmt ein Telefonat an, raucht in dem fünfzehnminütigen Gespräch drei Zigaretten und lacht nicht. Beim letzten Blick nach drüben denk ich noch: viel Glück heut Nacht.
In der nächsten Nacht sitze ich wieder auf meinem Balkon, arbeite und blicke dann doch hinüber. Ein leerer Aschenbecher, daneben ein Topf Basilikum und Wäscheklammern sind neu. Aha.
Nach zwei Tagen Regenwetter schaue ich wieder mal hinüber und bin überrascht. Ein Windspiel. Die Flaschen weg. Er kommt raus, raucht ruhig eine Zigarette, geht wieder rein. Rasiert. Mhm.
Am nächsten Morgen frühstücke ich draußen und sehe am anderen Ende des Hinterhofs ein Mädchen auf seinem Balkon. Sieh installiert Blumenkästen und schleppt Pflanzen in großen Kübeln auf den Balkon. Ihre Haare leuchten in der Sonne. Ach so.
Der nächste Tag ist Samstag und Mittags lockt mich Lärm raus. Drüben. Er und das Mädchen mit den leuchtenden Haaren. Sie lachen. Unten im Hof liegen die Reste eines Tischs, den sie augenscheinlich über die Brüstung geworfen haben.
Am nächsten Tag sitzen sie drüben an einem neuen Tisch auf gepolsterten Stühlen und frühstücken Croissants. Die Sonne scheint. Mittags hängt sie Wäsche auf. Nur Frauen-Klamotten. Sie waschen getrennt. Also: WG. In 15 Jahren in diesem Hinterhof habe ich viel gelernt. Abends arbeite ich nicht auf dem Balkon weil die zwei drüben so laut lachen. Ich hab Dir gar nichts zu sagen.
Als ich aus einem dreiwöchigem Urlaub sonntags wieder komme, blicke ich neugierig nach drüben. Er sitzt dort, ihm gegenüber die Blonde, die ich lang nicht mehr bei ihm gesehen hab. Er hat abgenommen, ausgeschlafen und sich rasiert. Er hält ihre Hand. Viel Glück in den nächsten Tagen.
Am Montag sitzt das Mädchen mit den strahlenden Haaren auf der Brüstung und telefoniert in der Dämmerung. Sie kichert. Ein von Frauenhand eingerichteter Balkon ist Lebensqualität. Ich zieh den Vorhang zu.
Die Hauptstadt ruft mal wieder. In ungefähr fünf Stunden stehe ich auf und fahre da hin. Um 14 Uhr 10 bin ich - so Gott die Deutsche Bahn will - da. Dann werde ich auf Berlin 08 “Wir sind Helden“, gute Freunde und alte Bekannte sehen. Zwischendurch schaue ich noch auf TechCrunch / CrunchGear Berlin Meetup vorbei (ich kann ja nicht in Berlin sein und keine Internetscheiße machen, geht gar nicht) und bin dort vor allem auf neue Leute und neue Ideen gespannt.
Es wird bunt. Und hoffentlich auch laut.
Dieser Moment. Mein richtig echtes Notebook (eines, das ich auch wirklich mit mir rum tragen kann) und ich sitzen auf dem Balkon. Sehen, wie es Bindfäden regnet und lauschen dem Lärm den solch ein Regen in zivilisierten Gebieten macht.
Ich ziehe meine Socken aus, strecke meine nackten Füße über die Balkonbrüstung in den Vorhang aus nass. Feels good.
Das Telefon klingelt.
Die letzten Wochen waren krass, die nächsten werden nicht ruhiger. Danke an das Naherholungsgebiet WG-Balkon für diesen Kurzurlaub.
Saarbrücker Studenten waren für herausragendes politisches Engagement wohl noch nie bekannt. Aber dieser Schriftzug auf einem dieser Zeitung-to-go-Kästen (fotografiert auf dem Saarbrücker Campus) setzt dem Ruf doch noch die Krone auf. Das ist kein politisches Engagement (zumindest nicht, wenn es sich auf solche Schmierereien beschränkt), sondern Aufwärmen von Dingen, die Leuten mal so am Herzen gelegen haben, dass es fast schon beleidigend ist, sowas einfach mal irgendwo zu hinterlassen.
So ein bisschen hege ich ja den Verdacht, dass der 68er Kongress nicht ganz unschuldig daran ist, dass sowas jetzt wieder “in” ist. Sehr schade, dass politisches Engagement sich hier auf Edding-Parolen auf Plexiglas zu beschränken scheint.
Vom 13. bis zum 15. Juni findet in Berlin ein Festival von und für Jugendliche statt - Berlin08. Seit ein paar Monaten helfe ich bei der Vorbereitung und jetzt, in der letzten - heißen - Phase, gibt es viel zu tun, dass noch Unterstützung gebraucht wird.
1. Für das Saarland wird jemand gesucht, der insgesamt 16 Stunden lang Flyer an die Zielgruppe (14 - 24jährige) verteilt. Es gibt über neun Euro pro Stunden zu verdienen. Haken: Das ganze muss so schnell wie möglich geschehen - am liebsten ab heute oder morgen. Man sollte aus dem Saarland kommen, wenn man das machen möchte.
2. Auf dem Festival selbst wird die Luft brennen; wir werden viel sehen, erleben und natürlich arbeiten. Da suche ich jemanden, der mich tatkräftig unterstützt, belastbar ist und Spaß hat, im Epizentrum eines Festivals mit über 10.000 Besuchern zu sitzen. Es ist keine Bedingung in Berlin oder sonst wo zu wohnen!
Bei Interesse bitte eine formlose Mail mit wenigen Sätzen warum Du Dich für geeignet hältst, so schnell wie möglich an mich schicken: antworten at schuehsch dot net. Danke, ich freu mich drauf :)