
In Saarbrücken gibt es eine Straße, die heißt Stengelstraße. Die Stengelstraße ist eine vielbefahrene, teilweise fünfspurige und teilweise Bundes- Straße. In ihrer Fortführung heißt sie Heuduckstraße, und da habe ich ganz früher mal gewohnt, aber das ist eine Geschichte, die ich hier und jetzt nicht erzählen möchte. Neulich war ich mal kurz in der Stengelstraße und hatte nichts zu tun. Ich schaute um mich und sah in einem Hauseingang dieses Türschild. Jemand hat die aufgeklebten Buchstaben abgekratzt und jetzt steht das Haus in einer viel schöneren Straße als der Stengelstraße. So einfach kann’s gehen.

-ohne Worte-
Es ist Sommer, jetzt auch offiziell, fühlt sich nur noch nicht so an. Manchmal frage ich mich, wie ich mich an diesen Sommer zurück erinnern werde. Womit werden diese Wochen besetzt sein? Veränderungen, Hausarbeiten, Regen?
Der Sommer 2003 zum Beispiel schmeckte sehr nach der Freiheit, die danach auch wirklich kam. Im Herbst darauf zog ich um. Der Sommer 2003 ist goldgelb wie Kornfelder, es ist mein Mecklenburg-Vorpommern-Sommer, besetzt mit Fahrradfahren, nachts-am-Strand-sein, Sonnenbrandmustern auf meinem Rücken, viel Mut und viel Jugendpresse. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Dreiertelefonkonferenz, die ich auf einem wackligen, weißen Plastikstuhl auf der Terrasse eines Ferienhauses, nah am Ostseestrand, im Regen stehend, verbrachte. Woanders hatte mein Handy einfach keinen Empfang.
Dann kam ich nachts irgendwann heim, es war schon ziemlich früh, so gegen vier. Je näher ich unserem Ferienhaus kam, desto mulmiger wurde mir, denn ich hörte Stimmen und in den Tagen zuvor hatte es viel Randale in der Ferienhaussiedlung gegeben und ich hatte Schiss, irgendwelche Idioten hätten es jetzt auf unser Haus abgesehen. Tatsächlich saßen aber meine Eltern mit guten Freunden noch auf der Terrasse, gemütlich auf einer Couchgarnitur. Ich war so richtig baff und lachte herzlich, als sie mir erklärten, dass es im Ferienhaus jetzt neue Sitzmöbel gäbe und dies hier wären die alten und man müsse sie ja noch mal nutzen vor der Entsorgung. Wir spielten noch bis morgens um sechs Karten.
Vielleicht war der Sommer ganz anders und gar nicht so schön, wie ich mich jetzt an ihn erinnere. Aber ich finde es so herrlich, mit was für Tags er besetzt ist und wie gut er mir zumindest im Nachhinein getan hat.
Ich bin so sehr gespannt, ob dieser Sommer auch so wird. Zumindest Fahrradfahren ist wieder geplant.
Some things never change. Some just did.

I got a new point of view.
Ich habe an der Fleischtheke geflirtet. Nein, nicht mit einem Fleischtheker (Fleischfachverkäufer?
Fleischthekenbedienungsfachkraft?) oder einer Fleischthekerin, sondern mit einem anderen Kunden. An der Fleischtheke fiel er mir auf. Ein bisschen gucken, scheues Lächeln. Ganz klassisch. Auf dem Weg zur Kasse noch schnell die Kühltheke inspiziert, er verschwindet im Süßigkeitengang. An der Kasse ist er wieder da, steht hinter mit, lächelt.
Ich höre sein Hirn förmlich rattern, er will etwas sagen, was möglichst originell aber nicht aufdringlich, lustig aber nicht albern, eben einfach perfekt ist. Ich lächle und richte meinen Blick schnell weg von seinen Augen auf die Wahren vor ihm auf dem Band liegen. Nichts dabei, was ich wirklich eklig finde. Singlemengen.
Irgendwie verirrt mein Blick sich dann auf den kleinen Zeitschriftenständer neben den Tabakwaren. Eine Kochzeitschrift erzählt mir was von leckeren Salaten, Zucchiniraffinessen und Grilltipps. Das klingt gut, ich lege sie zu meinem Frühstück aufs Band. Noch ein Blick zu ihm - er starrt demonstrativ weg.
Hups, denk ich, so oma-like sind solche Zeitschriften doch gar nicht. Ganz im Gegenteil, habe ich mich nicht gerade als kochwilliges Mädchen mit Hang zum Grillen geoutet? Ist das nicht positiv? Anscheinend nicht. Vielleicht steht er nicht auf Salate? Zucchini-Allergie?
Beim Rausgehen fällt es mir auf: die Zeitschrift heißt “meine Familie & ich”.
Tja, das ist natürlich ein Grund zum Wegschauen, sehe ich ein. Den Tag hat der Kerl mir trotzdem versüßt ;) Dennoch mein Ruf an die Kochzeitschriften dieser Welt: Nennt euch bitte “sprich mich an”. Danke.
Tja. G8. Protest. Ok.
Jetzt hat jeder seine eigenen Bilder im Kopf. Ich möchte da nur die kleinen Merkwürdigkeiten am Rande des Protests erwähnen, auf die ich gestoßen bin. Zum einen ist da ein Filmchen auf graswurzel-tv.de, das ein bisschen konfus aber sympathisch schildert, wie man in vermeintlich eindeutigen Situationen anscheinend abwegiger Taten verdächtigt wird. Das ist schon fast komisch.
Richtig komisch fand ich dann die Mail eines Bekannten aus dem Saarland. Der Gute ist Schriftsteller und so dachte ich mir bei dem Betreff “Kurzkrimi” nicht viel, sondern freute mich auf Unterhaltung. Die bekam ich auch, aber anders als gedacht. Er war frisch aus dem Urlaub zurück und hatte vor dem Ferienaufenthalt noch eine Rundmail versandt, in der er sich eindeutig als G8-Gegner outete. Nun, als er wieder im Lande war, fand er ein Fenster demoliert und seinen Laptop entwendet. Nichts kaputt, nichts durchwühlt, keine Spuren, schreibt er. Gegen Ende der Mail dann der Kommentar “Nun bin ich Marxist genug, um an dumme Verschwörungstheorien zu glauben.”
Was auch immer passiert: die Verschwörung war’s. Oder die 42.