Familienpolitik
Wie in jeder Stadt gibt es auch in dieser Stadt Viertel, die nicht so schön sind. Bei Wohnungsinseraten aus der Gegend steht dann meist dabei “Hartz4-Empfänger möglich” und wer nicht dort wohnt, findet diese Viertel “nicht so schlimm”, fährt aber auch nie hin.
In so einem Viertel stehen an einer Straßenbahnhaltestelle eine attraktive Frau, ein Junge und eine ältere Dame. Die Straße ein bisschen weiter runter ist der größte Spielzeugladen der Stadt. Der Junge ist ungefähr vier Jahre alt und amüsiert sich köstlich mit einem noch verpackten Spielzeuglastwagen. Der ist gelb mit schwarzen Rädern und hat einen Anhänger. Würde man den Karton hochkannt hinstellen, wäre er so hoch wie der Junge selbst. Der Kleine strahlt über das ganze Gesicht. Die ältere Dame sagt: “Hach, da hast Du ja was Tolles zum Spielen bekommen, hmm?” Der Junge schaut sie nur an, und pult dann weiter an der Pappverpackung des Baggers rum. Die attraktive Frau lächelt. “Willst Du die Schachtel nicht zulassen, und ihn zuhause auspacken?” Fragt die ältere Dame freundlich. Der Junge fühlt sich nicht angesprochen. “Er ist sehr ungeduldig.”, sagt die jüngere Frau und lächelt immer noch. Die ältere Dame lächelt auch und sagt “Ja, so ist das, wenn man neues Spielzeug bekommen hat. Als Kinder sind wir ja alle so, nicht wahr? Ich habe früher wenig neue Dinge geschenkt bekommen, war ja auch alles viel teurer als heute.” Die junge Frau fühlt sich veranlasst zu sagen “Der Bagger hat auch 27 Euro gekostet.” “Haha, hörst Du Kleiner? Sei vorsichtig mit dem Spielzeug, das ist wertvoll, das muss Papa lange für arbeiten.” mahnt die Alte. Die junge Frau lächelt nur. Der Junge pult, die attraktive Frau lächelt und die alte Dame beobachtet Vögel. Es wird Frühling.
Dann kommt die Bahn, sie steigen ein, die Bahn fährt weiter. Die alte Dame hat einen Fensterplatz, die andere Frau und der Junge stehen mit dem Bagger in der Nische für Kinderwagen. Pappkrümel bedecken bald den Boden. Vier Haltestellen weiter steigen sie aus. Die attraktive Frau tritt strahlend ins Sonnenlicht hinaus, fällt einer Brünetten um den Hals und küsst sie innig. Der Junge steht daneben und pult an der Pappe um den Bagger. Die zwei Frauen schauen sich selig an und küssen sich wieder. Die alte Dame schaut weg. Endlich wird ein Signal grün und die Bahn fährt weiter.
Wer sagt eigentlich alten Damen, dass es immer einen Papa geben muss, der die Familie ernährt?
Wer das sagt? Eva Herrmann. Und die muss es ja wissen!
Der Papst, I’d guess.
@ Stefan: Eva Hermann als der Papa, der jede Familie ernährt? Ja cool… :p
@ moeffju: Och, der schon wieder… Omnipräsente Überväter sind mir ungemütlich [sic].