Käsebrötchen

Gutenachtgeschichten — schuehsch @ 23. February 2007, 21:44

Wie ich meinen Lieblinsgbäcker fand

Früher war ich mal neu in einer Stadt. Ich lebte noch nicht lange da, kannte kaum Menschen, Straßennamen und Kneipen. Immerhin hatte ich Telefon und Radioempfang, so hielt ich mich an meiner ganz persönlichen alten Welt fest. Die alte Welt. Dazu gehörten Zuhause, meine Eltern und ein anderer Breitengrad.

Ich hatte Stress. Ich konnte nicht damit umgehen. Ich wurde krank. Ich dachte, es wären einfach leichte Bauchschmerzen, vielleicht die, die manche Frauen mit vierwöchiger Regelmäßigkeit bekommen, und ging arbeiten. Ich arbeitete in einer Cocktailbar in der Montags nie viel los war und machte schon um halb elf dicht. Freunde waren da gewesen, ein ganz netter Abend. Ich hatte hauptsächlich rumgesessen und Tee getrunken, wegen der Bauchschmerzen. Entspannendes Kräuterzeug.

Seit drei Tagen hatte ich nun schon die Bauchschmerzen, sie waren konstant, nie mehr, nie weniger. Ich hatte kein Fieber und keine weiteren Beschwerden. Als ich an diesem Montag nach der Arbeit ein warmes Bad nahm, hielt ich das für eine gute Idee. Entspannung. Am nächsten Morgen hatte ich leicht erhöhte Temperatur. Ich telefonierte mit Mama, danach mit einer Freundin und hörte Radio. Dann hatte ich fast 41 Grad Fieber. Dieser Dienstag war ein Feiertag. Ich fand den Krankenhausnotdienst raus, fuhr Bus, kippte da fast um, während ich einer Freundin eine SMS schrieb, in der ich dankend ihre Hilfe ablehnte. Der Arzt im Krankenhaus meinte, ich hätte einfach eine fiese Erkältung. Ich sagte ihm, dass er sich irrte und bat darum, auf einer Liege liegend auf irgendwelche Testergebnisse warten zu dürfen, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass ich heil in mein Bett zurück kommen würde. Er willigte ein, die Testergebnisse machten ihn stutzig, er fand schließlich heraus, was ich hatte.

Ich schlurfte zu einer Nachtapotheke, bezahlte über 100 Euro für Medikamente und kam irgendwie heim. In der Nacht hatte ich Schüttelfrost und Durchfall. Am übernächsten Tag musste ich früh morgens zu einem Spezialisten. Auf dem Weg dahin wurde mir übel. Hunger, ich hatte seit Tagen keinen Appetit gehabt und deshalb nicht gegessen. Ich tappte in irgendeine Bäckerei und kaufte ein Käsebrötchen. Im Wartezimmer saß ich eine Dreiviertelstunde, es ging mir immer schlechter und ich fing an, an dem Brötchen rumzuzupfen und mir Krümel in den Mund zu stecken. Nach zehn Minuten wurde mir klar, wie lecker das Brötchen war, dass man mindestens ein Pfunde Käse auf dem Teil verbacken haben musste und wagte es nicht, in der Papiertüte nachzuschauen, wie viel von dem Brötchen noch da war. Ich genoss jeden Bissen.

Ich weiß nicht, ob dass Brötchen oder der Arzt mich gesund gemacht haben, aber weder er noch ein weiterer Spezialist konnten mir erklären, was genau ich hatte und woher es kam. Aber zu dem Bäcker gehe ich immer noch gern.

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