Chomskys Höschen

Gutenachtgeschichten — schuehsch @ 25. December 2006, 18:30

Die Frauenzeitschrift Emma hat da gerade so eine Kampagne laufen. Dazu gehören Printanzeigen und eine Website (as far as I know) und der raffinierte Witz daran ist halt, dass das in dieser Form beworbene Benno Magazin die Themen der Emma hat, nur quasi spiegelverkehrt. Dabei kommen dann Aufmacher wie “Reizthema Gehalt - Männer immer noch unterbezahlt” heraus. Hat durchaus einen “Hä, was?”-Effekt, wenn man die Anzeige liest, aber bei dem Filmchen mit dem benno-magazin.de dann aufmacht, wirkt das alles doch eher gezwungen und verkrampft.
Der Anlass ist der 30. Geburtstag von Emma. Ein bisschen tut es mir leid, aber irgendwie werde ich mit dieser Zeitschrift nicht warm. Ich gebe zu, dass ich sie erst ein Mal gelesen habe und das sie da durchaus differenziert und aufgeschlossen berichtet hat, aber das feministische Beiwerk geht mir ein bisschen auf die Nerven. Es fällt mir beim Lesen auf und zwar unangenehm. Und nein, ich bin nicht vom Patricharchat hirngewaschen worden und finde das deshalb störend, sondern weil ich mich dem Feminismus überlegen fühle. Ich will gar nicht behaupten, dass Frauen gleichbehandelt werden, aber ich finde es unnötig, da so ein Getöse drum zu machen. Es gibt einfach Dinge, die sind so, weil unsere Gesellschaft so ist. Wenn es zum Beispiel ein totales Rauchverbot in der Öffentlichkeit geben sollte und dagegen formiert sich Widerstand, dann ist das absehbar. Mit der Zeit wird sich aber auch das relativieren und genau so ist es auch bei der “Unterdrückung” der Frau. Bisher war die Rollenverteilung eben eine solche und nun wollen einige, dass sich das anders wird. Ja, prima, macht mal.
Aber wenn die Gesellschaft sich nicht ändert, wird sich das nicht ändern. Und die Gesellschaft (wie ich finde, speziell die Deutsche) ist vor allem eins: eine träge Masse. Das dauert, bis die sich bewegt.
Was man daheim im stillen Kämmerlein macht, ist ja jedem selbst überlassen. Allerdings wird sich genau dann die Gesellschaft geändert haben, wenn die Gleichberechtigung in die Mehrheit der stillen Kämmerlein vorgedrungen ist.
Ja, das ist also das, was ich an der Emma mag und das, was mich an der Emma stört und jetzt kommt etwas, was ich selber nicht so recht glauben kann: Soll ich die Emma probeabonieren? Ich bin mir sicher, dass ich sie nicht für länger haben will, aber mal so kurz Schnuppern?
Oder trete ich damit schon automatisch dem Club der militanten Feministinnen bei? Oder werde ich dann nie mit einem Job zufrieden sein, weil ich mich unterbezahlt fühle? Und nie mit einem Mann, weil ich mich unterdrückt fühle?
Oder wird mich die Lektüre einfach ein bisschen aufmerksamer machen und ein bisschen erheitern?
Bin ich vielleicht doch patriarchalisch gehirnwäscht worden, weil ich nicht zu einer einfachen Entscheidung fähig bin? Oder macht mich das viele Weihnachten so träge?
Hach, süße Fremdbestimmung…

4 Comments »

  1. Extra blöd wird es halt, weil sie bei weitem nicht die ersten sind, die das machen. Man denke nur an die Autovermietung gibsnich.de.

    Außerdem ist EMMA doof. So.

    Comment by moeffju — 25. December 2006 @ 19:58
  2. Ja, die gibt es aber auch gerade wirklich nicht. Wartungsprobleme.

    Comment by schuehsch — 25. December 2006 @ 20:20
  3. Ha, die haben die Domain in TRANSIT fallen lassen. Ob da Köpfe rollen? Oder ob es aus dem kollektiven Bewusstsein der Werbekonsumierenden schon wieder ausreichend verschwunden ist?

    Comment by moeffju — 25. December 2006 @ 22:45
  4. “ausreichend verschwunden” ist doch auch nur anders für “hinreichend weg”

    Comment by schuehsch — 7. January 2007 @ 20:51

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