Die Clowns sind laut
Olli Schulz und der Hund Marie. Ein Erlebnis.
Am 10.12. traten Olli Schulz und der Hund Marie im Fritzclub Postbahnhof in Berlin auf. Dieses Konzert war was Besonderes. Nicht nur war es das letzte der Tour (was Olli ermöglichte, allerlei Anekdoten über andere Konzerte zu erzählen), sondern es war auch das Konzert mit Bier über dem Mischpult, Swinggrößen, Seitenrissen und Seitenhieben auf Kollegen und Olli auf dem Tresen. Und es war wirklich das letzte Konzert, so Olli, wo er zum Metal aufruft. Na, mal sehen ;)
Ich liebe diese Nächte.
Am Eingang standen frierend Leute, die noch Karten wollten und keine mehr bekommen hatten. Jacken an der Garderobe abgeben - das Publikum ist klar: Emos. Zwischen all den schwarzen, beigen und bundeswehgrünen Jacken fällt meine rote auf wie ein Sonnenstrahl in London. Als wir den Raum mit der Bühne betreten, ist da oben noch Sir Walter Screamrock mit seiner Gitarre beschäftigt. Der ist lustig und nett und kommt später noch mal wieder.
Bevor Olli auf die Bühne kommt, ist er auf einer Leinwand zu sehen und beweist uns sein schauspielerisches Können. Zur Einstimmung gibt es einen kleinen Film über Ollis imaginären Bruder, der Schlagersänger und natürlich peinlich auf ganzer Linie ist. Im Laufe des Konzerts sehen wir dann auch den zweiten Teil der Geschichte in dem der arbeitslose Protagonist wieder wenig ernstes sagt und in Mülleimern wühlt. Schön, wenn man zu seiner Verwandschaft steht ^^
Es war so im Bereich der ersten drei Lieder, da entdeckt Olli eine Kamera (deren Verbot allgegenwärtig war) in den vorderen Reihen, unterbricht sich selbst und macht den Mensch dahinter an: “Du kannst Momente nicht als Bilder festhalten, ey. Das geht einfach nicht.” Dieses Argument gegen’s Filmen find ich das einzig wahre.
Das Konzert nimmt dann so seinen Lauf, wie man es von Olli und dem Hund Marie kennt, voller Anekdoten und Lieder zum Mitsingen. Bis Olli uns dann fragt: Können wir mal n bisschen Metal machen? Beim Hund hat es angeblich viel Überzeugungsarbeit gebraucht, doch das Publikum ist schnell dabei. Klar, machen wir. Also wippen wir alle mit erhobenem Zeigefinger und zeigen ihm die Hörner zu passender Musik. Wie herrlich. Niemand hier bewegt sich. Ihm scheint das ein bisschen peinlich zu sein und er schwört hoch und heilig, dass er nie wieder ein Publikum darum bitten will…
Wenn die music nicht so laut wär. Ob das zum Repertoir gehörte oder wirklich neu wahr weiß ich nicht genau: Olli meinte, er hätte gestern mit Walter zusammen einen englischen Song geschrieben, rief den Herrn noch mal zu sich und sie sangen uns ein Lied, von dem vorher angeblich nur der Refrain stand.
Irgendwann ist die halbe Bühne tontot und Olli entscheidet spontan, sich mit seiner neubespannten Akustikgitarre auf die Theke zu stellen und uns so ein Ständchen zu geben. Also schnell von der Bühne gesprungen, durch’s Publikum gerudert und hoch da. Spot an, Gesang ab. Toll. Das hat mich irre beeindruckt, diese Flexibilität, Nähe und Unerschrockenheit. Jemand hat davon bewegte Bildchen gemacht, die natürlich nix von der Atmosphäre vermitteln können ;), aber ja doch ganz nett sind. Manchmal.
Vom neusten Album “Warten auf den Bumerang” gab es viel zu hören und da ich sie mir direkt zugelegt habe, verspreche ich eine Kritik im neuen Jahr.
Das letzte Bild ist eingefroren.