Alles was recht ist
Man hat mir “Millie” von Helen Walsh geschenkt. Und jetzt hab ich mich mal durch die 293 Seiten… äh… gelesen. Ja, genau. Keine Bilder, normaler Druck und trotzdem kommt nicht viel bei rum. Die Autorin ist (dem Klappentextfoto nach zu urteilen) richtig cute und trägt schicke Ohrringe. Bücher schreiben kann sie nicht. Sie kriegt das Buch voll, ja, und es passiert auch’n büschen was, aber interessant ist das nicht.
Dabei klingt eine kurze Zusammenfassung doch sooo gut: Milie studiert nur theoretisch, nimmt viele verschiedene Drogen und vögelt wie ne Blöde. Was sie nicht erzählt, erzählt ihr Freund Jamie, der gerade versucht, spißig zu werden und zu heiraten - klappt aber nur bedingt.
Im Original ist das Buch auf Englisch, übersetzt haben Clara Drechsler und Harald Hellmann. An ganz wenigen Stellen hinkt die Übersetzung (ich hab sie mir leider nicht angestrichen und keine Lust zu suchen :p), aber die ganzen sprachlichen Ungelenkheiten muss man wohl der Autorin zuschreiben. Ich meine so Sachen wie:
Jamie
Ich sitze hier im Fenster der Kantine und starre rauf in den Himmel. Scheiße, ist der schön, Alter. Riesig und unberechenbar und ultradüster.
(Seite 120 unten)
Das find ich ziemlich bös daneben. Nicht virtuos oder frech, sondern einfach nur nicht schön. Bei solchen Passagen wünsche ich mir immer, dass Sprache sich wehren können soll…
Der Inhalt könnte unterhaltsam sein (siehe Kurzbeschreibung), mir wird der Spaß immer wieder durch die derbe; bis ins Lächerliche derbe Sprache verdorben. Schon auf Seite 11 wird der Leser so begrüßt:
Jetzt ungeduldig, drücke ich ihre Beine auseinander, die von frischen Blutergüssen übersät sind. Ich schiebe einen Finger rein. Sie ist trocken und verkrampft sich, als ich sie berühre. Für einen Moment denke ich, ich sollte es lassen, auf dem Absatz kehrtmachen und abhauen. Aber als ich meinen Mund in ihre Fotze tunke und mir der Geruch von Gummi ins Gesicht schlägt, finde ich wieder in meine Rolle zurück. Gewissenlos. Als Freier.
(Ohmeingott, was wird mir dieses Zitat für Google-Links einbringen?)
Was man dem Buch wirklich lassen muss: die Personen werden gut entwickelt (besonders natürlich die zwei Ich-Erzähler) und handeln fast immer schlüssig. Aber ansonsten kann ich das Buch leider nicht empfehlen.
Über das Buch hab ich auch noch nix gutes gehört. Aber les mal “Zwölf”. Das ist toll.
hmm hoert sich wirklich nicht so prickelnd an.