Polytheismus
Räuber-Schiller
Ich bringe Pest. Ich bin Gestank.
Vom Rand der Erde komm ich her.
Mir läuft manchmal im Maule was zusammen,
wenn ich speie, zischten noch die Sterne
und hier ersöffe das ganze feige
Pietzengeschlabber und Abelblut.
Weil meine Mutter weint? Weil meinem Vater
das Haar vergreist? Ich schreie:
Ihr grauer Schlaf! Ihr ausgeborenen Schluchten!
Bald sän euch ein paar Handvoll Erde zu.
Mir aber rauscht die Stirn wie Wolkenflug.Das bißchen Seuche
aus Hurenschleim in mein Blut gesickert?
Ein Bröckel Tod stinkt immer aus der Ecke -
pfeif drauf! Wisch ihm eins! Pah!
Wenn es mich das nächste Mal packt und ich denke “Sprache trägt nicht, was ich sagen will. Es gibt kein Wort für dieses hier und ich kann keins erfinden.” dann les ich Benn. Und dann weiß ich, dass es geht und das alles gut werden wird und das man sich die Sprache Untertan machen kann; auch wenn man ihr dabei das Genickt bricht. Es geht. Seufz. Gut, dass zu wissen.
Danke, für so viel Zuversicht.
Die Amseln…
*
Die Amseln haben Sonne getrunken,
Aus allen Gärten strahlen die Lieder,
In allen Herzen nisten die Amseln,
Und alle Herzen werden zu Gärten
Und blühen wieder.
*
Nun wachsen der Erde die großen Flügel,
Und allen Träumen neue Gefieder,
Alle Menschen werden wie Vögel
Und bauen Nester im Blauen.
*
Nun sprechen die Bäume im grünen Gedränge,
Und rauschen Gesänge zur hohen Sonne,
In allen Seelen badet die Sonne,
Alle Wasser stehen in Flammen,
Frühling bringt Wasser und Feuer
Liebend zusammen.
*
Max Dautheney (1867-1918)