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Gutenachtgeschichten — schuehsch @ 13. January 2006, 14:50

Es gibt so… Geschichten. Die erzählt man sich und dann lacht man darüber. Partywitze vielleicht. Dinge, die man beim ersten Date dem Gegenüber erzählt um ihm sympathisch zu sein. Sachen, die man seinem Arzt erzählt, wenn man seit Wochen mit niemandem gesprochen hat. Vorkomnisse, die man den unbelebten Gesichtern auf Papier erzählt, wenn man noch nicht einmal mehr zum Arzt geht. Geschichten, die das Leben nicht bedeutender machen. Auch nicht unbedeutender. Sie sind eigentlich nicht wichtig. So eine Geschichte ist diese hier.
Es geschah an einem Freitag. Dem 13. Tag eines irrelevanten Monats. Ihre Haare waren noch naß vom Duschen, das Teewasser kochte und sie wollte schnell die Post holen. Sie nahm den Briefkastenschlüssel, huschte durch die Wohnungstür, zog diese nach, damit die Katzen nicht entwsichen konnten und dann war die Tür zu. Sie stand draußen im Flur, noch barfuß, aber immerhin angezogen, mit dem Briefkastenschlüssel und einem verdutzten Gesicht. Sie nahm die Post aus dem Briefkasten, stellte sich auf die Fußmatte mit der debil grinsenden Sonne vor der Wohnungstür und klingelte. Nichts. Der Mensch auf der anderen Seite der Tür föhnte sich die Haare. Die Musterung der Wand neben der Tür kannte sie schon von ihrem letzten längeren Aufenthalt im Flur und wandte sich also der Post zu. Eine Mitgliedsbeitragsrechnung und der JMMV-Versand. Ah, prora 06. Richtig, da war was. Sie klingelte oft. Irgendwann war der Föhn aus, die Tür auf und sie kriegte wieder warme Füße.
Und die Moral von der Geschicht? Keine Ahnung, ich habe keine Moral.

6 Comments »

  1. Hihi, erinnert mich an ‘en Film, den ich gestern gesehen hab. Ich würde fast behaupten, dass er genau so wenig Moral hatte. Was eigentlich sehr schade war, denn der Film an sich war sehr gut. So wie die Geschichte hier.
    Aber würdest du sowas wirklich dem Arzt erzählen, wenn du wochenlang mit niemandem gesprochen hast? Das wär ja bitter :/.

    P.S.: Statistisch gesehen ist der häufigste Wochentag am 13. eines Monats ein Freitag. Wer auch immer also den gregorianischen Kalender erfunden hat, gönnt es uns wohl nicht besser.

    P.P.S.: Wer das Postskriptum nicht glaubt, dem kann ich das gerne vorrechnen ;).

    Comment by Michi — 13. January 2006 @ 21:34
  2. Naja, als ich alleine in einer Stadt gewohnt habe, in der ich niemanden kannte und kein Telefon hatte, hab ich mich schon ab und zu dabei ertappt, wie ich mit Taxifahrern, Supermarktkassiererinnen und anderen Leuten das Schwatzen angefangen hab… Passiert einem schon, denk ich. Mittlerweile würd ich’s nicht mehr machen.

    Comment by schuehsch — 15. January 2006 @ 02:35
  3. Die Geschichte kenn ich in zwei Varianten. Die eine ist irgendwie anekdotisch und ein bißchen romantisch, die andere ziemlich belastet und unangenehm. Aus irgendeinem Grunde ist das Barfußsein dabei kennzeichnend und notwendig.

    Comment by sankatze — 16. January 2006 @ 16:07
  4. Das hier wäre die leicht belastete, aber am Ende nichtsdestotrotz romantische Anekdote. Das Barfußsein deutet wohl die Offenheit (damit Verletzlichkeit) an.

    Tausende Barfußläufer würden mich verfluchen :)

    Comment by moeffju — 17. January 2006 @ 17:20
  5. PS: Michi hat recht, Freitag kommt tatsächlich öfter am 13. vor als alle anderen Wochentage. Das ist sogar beweisbar, weil sich der Gregorianische Kalender alle 400 Jahre wiederholt.

    Allerdings ist nirgendwo festgeschrieben, dass Freitage, die 13. eines Monats, oder Kombinationen daraus irgendeine besondere Bewandnis haben sollten ;)

    (Wenn man schon am 13. Pech haben will, sollte man sich Donnerstage oder Sonntage aussuchen, die kommen nämlich immerhin vier Mal weniger in 400 Jahren vor als Freitage [684mal statt 688mal]).

    Comment by moeffju — 17. January 2006 @ 17:23
  6. Die Tatsache allein, dass sich die Tagfolge wiederholt, reicht allerdings nicht für den Beweis aus. Zeigen musst du beispielsweise auch, dass die Wochentage sich nicht gleich auf die Daten verteilt. (Dafür sollte man vielleicht nicht unbedingt auf die Tabelle von Wikipedia trauen :/.)

    Comment by Michi — 17. January 2006 @ 21:00

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