Ein Hurrah für Theatralik
Wie überraschend. Theatralik rockt. Ich sage nicht, dass sie konstruktiv, hilfreich oder immer ehrlich ist. Sie ist aber gut. Ein Genuß. Ein großer. Und nicht nur im Theater.
Sie ist die beste Freundin der Katharsis.
Man muß einen See erst überschwemmen um zu wissen, wieviel Wasser zu viel ist.
Große Worte müssen nicht theatralisch sein. Sie sind aber umso schöner, wenn sie’s sind. Und sind die alten großen Worten es nicht nur nicht mehr, weil sie so voller Gebrauchsspuren sind? Weil es Sätze sind, die sogar jeder Trottel bei GZSZ & Co lernen kann, dann selbst sagt und damit banalisiert? Man sollte Wörter sperren können.
Stille in meinen Augen.
Theatralische Handlungen wirken grotesk. Aber sie sind so stark, rührend, weitreichend. Oft auch angenehm undurchdacht. Spontan, von einer Gefühlsregung, einem Biß der Kobra die im Herzen wohnt verursacht. Egal, welche Regeln man bricht, wen man unglücklich macht und was man zerstört: Das muss man jetzt so tun. Das finde ich ehrlich. Nichts finde ich ehrlicher.
Natürlich geht das auch anders. Eins tut die große Schwester immer: Gefühle regen – manipulieren. Und wenn man das weiß, damit umgehen, Menschen und ihre Gefühle berechnen kann, dann kann man auch berechnend theatralisch sein. Wie böse. Bemitleiden wir einen Moment die Welt um diese Möglichkeit.



Als Kind hatte ich eine interessante Vorstellung von der Welt, vom Leben. Im Grunde hat sich diese Vorstellung immer in meinen Gedanken und Erinnerungen festgehalten. War als Frage immer in meinem Kopf. Wahrscheinlich ist da so mit Kindheitserinnerungen/ -gedanken/ -träumen, die uns wirklich beschäftigt oder gefesselt haben…
Als Kind fragte ich mich ständig, ob wir nicht vielleicht Haustiere sind. Haustiere einer größeren Spezies. Ob unsere Erde, unser Weltraum, Universum. All das was wir kennen nicht einfach ein Teil unseres Käfigs, Geheges oder sonstwas ist. Möglich, oder? Wer weiß das schon, wer kann das schon sagen. Vielleicht fragt sich ja ein Hamster ab und an ähnliches, ich habe keine Ahnung und konnte die Hamster meiner Eltern noch nie zu einer Aussage bewegen…
Diese Erinnerung kam mir ziemlich aktiv in den Kopf, wie ich diesen Beitrag von dir gelesen habe. Vielleicht sind wir keine Haustiere. Vielleicht sind wir auch einfach alles nur Schauspieler. Schauspieler in einer Dailysoap. Nicht in GzSz, nicht in “Verbotene Liebe” oder sonstwas sondern einfach in: “Menschheit – Die wahren Realitäten der Erde” oder sonstwas, ich hab keine Ahnung. Der Ausdruck “Ich komm mir vor wie in einem schlechten Film”, bekommt dadurch auch einen absolut neuen und interessanten Eindruck. Oder nicht? Möchte jmd von uns Schauspieler in einer DailySoap sein? Ich möchte das nicht sein, doch kann ich das nicht ausschließen. So würde es das Leben aber doch erklären oder nicht? Wenn man einen Tiefpunkt hat kann man wetten, dass noch mehr kommt bis man richtig alle ist. Und irgendwann geht es dann wieder aufwärts. Entweder durch einen Zufall richtig krass extrem oder langsam. Manchmal bleibt es aber auch weit unten. Wer weiß das schon. Das zu verraten wäre ja langweilig, dann bräuchten die Zuschauer nicht mehr zugucken. Doch das macht letzlich ja auch DailySoaps aus.
Woah, ich will kein Kollege von “Felix von Jascheroff”, “Oliver Bender” oder “Maike von Bremen” sein. (Wobei ich das Gehalt durchaus nehmen würde *G*)
die sich im Grunde noch nicht aus meinem Leben rausgestohlen hat. Vielleicht tun das Kindheitserinnerungen/-träume/-gedanken auch nicht
Es geht immer schlimmer. Man ist aber auch immer noch stärker. Ich zumindest hab immer noch Reserven, von denen ich nie geahnt habe.
Deine Kindehitsgedanken sind spannend. Ich weiß gar nicht, ich hab sowas nie gedacht, glaub ich. Erinnert mich riegdnwie an Kant und seine Welt hinter grünem Glas. Naja. Mir hat ein Physiker neulich gesagt: wenn man nicht etwas anderes beweisen kann, ist davon auszugehen, dass die einfachste Lösung richtig ist.
Wenn Theatralik der Katharsis hilft, ist sie produktiv. Wenn sie der Ehrlichkeit dient, ebenso. Für das Schöne, Reine, Große!
@schuehsch:
Das hab ich dir auch schon ein paar Mal gesagt. Das Prinzip heißt Ockhams Skalpell (oder Rasiermesser, aus dem Englischen).
Passend dazu natürlich auch Einsteins “as simple as possible; but not simpler”.
@Tobi:
Solche Ideen hat wohl jeder mal gehabt. Da sie weder eine Kausalität aufzeigen noch irgendwelche Erkenntnisse bringen, sind sie bestenfalls metaphysisch oder philosophisch relevant (und wurden in der Philosophie bereits zur Genüge behandelt). Ob es nun das grüne Glas ist, Schauspieler in einer galaktischen Daily Soap, Gottes alles lenkender Wille, oder Avatare in der Matrix — gepriesen sei die Sparsamkeit.
Desweiteren siehe @schuehsch.