Ein Hurrah für Theatralik

Gutenachtgeschichten — schuehsch @ 12. January 2006, 23:01

Wie überraschend. Theatralik rockt. Ich sage nicht, dass sie konstruktiv, hilfreich oder immer ehrlich ist. Sie ist aber gut. Ein Genuß. Ein großer. Und nicht nur im Theater.
Sie ist die beste Freundin der Katharsis.
Man muß einen See erst überschwemmen um zu wissen, wieviel Wasser zu viel ist.
Große Worte müssen nicht theatralisch sein. Sie sind aber umso schöner, wenn sie’s sind. Und sind die alten großen Worten es nicht nur nicht mehr, weil sie so voller Gebrauchsspuren sind? Weil es Sätze sind, die sogar jeder Trottel bei GZSZ & Co lernen kann, dann selbst sagt und damit banalisiert? Man sollte Wörter sperren können.
Stille in meinen Augen.
Theatralische Handlungen wirken grotesk. Aber sie sind so stark, rührend, weitreichend. Oft auch angenehm undurchdacht. Spontan, von einer Gefühlsregung, einem Biß der Kobra die im Herzen wohnt verursacht. Egal, welche Regeln man bricht, wen man unglücklich macht und was man zerstört: Das muss man jetzt so tun. Das finde ich ehrlich. Nichts finde ich ehrlicher.
Natürlich geht das auch anders. Eins tut die große Schwester immer: Gefühle regen - manipulieren. Und wenn man das weiß, damit umgehen, Menschen und ihre Gefühle berechnen kann, dann kann man auch berechnend theatralisch sein. Wie böse. Bemitleiden wir einen Moment die Welt um diese Möglichkeit.

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