um mich mal an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen… Hier ein Songtext der Band 2raumwohnung:
Das Leben ist mal wieder hart
Und du sagst komm bleib weich
Nach jedem Ziel wartet schon ein neuer Start
Und was heißt wirklich reich
Apokalypse - auf die ist kein Verlass
Am morgen stehen bei uns noch alle Häuser
Und leise wächst das Gras
Bleib ganz geschmeidig
Bleib ganz geschmeidig Baby
Jetzt kommen wieder härtere Zeiten
Und du sagst komm bleib weich
Wir müssen kämpfen und um alles streiten
Und du sagst -wenn`s nötig ist- mein schwarzer Hund der beißt
Apokalypse - auf die ist kein Verlass
Am morgen stehen bei uns noch alle Häuser
Und leise wächst das Gras
Bleib ganz geschmeidig
Bleib ganz geschmeidig Baby
Einfach die Idee, dass auf die Apokalypse kein Verlass ist… Wow. Ich mag das Bild, die Idee und den Optimismus der dahintersteckt.
Mich gibt es nicht. Ich bin dein Traum, deine Illusion, dein Wunsch. Mich gibt es nur in deinem Kopf. Es gibt nichts, was mich ausmacht. Es gibt nichts, was ich bin. In Wirklichkeit existiere ich nicht. Es hat mich nie gegeben. Ich war schon immer nichts. Ich werde nie mehr als von Gedanken geschwängerte Luft sein. Was mich hier hält, sind deine Gedanken. Wenn du mich vergisst, bin ich das, was deine Sprache tot nennt. Ich habe keine Angst. Ich verspüre kein Glück und keine Lust. Ich existiere nur in deinem Kopf. Ich bin dein Wunsch und alles was du über mich meinst zu wissen, hast du geträumt. Jedes Wort, das ich gesagt haben soll, hallt nur in deinen Ohren. Was ich bin, bestimmst du. Du definierst mich. Ich bin Licht auf einer weißen Leinwand. Du projizierst mich auf das Nichts. Du hast meine Rolle erfunden. Du hast mich erschaffen.
Warum tust du das?
Wer bin ich für dich?
Achtung, jetzt neu: Wunder sind wieder möglich.
Es gibt so… Geschichten. Die erzählt man sich und dann lacht man darüber. Partywitze vielleicht. Dinge, die man beim ersten Date dem Gegenüber erzählt um ihm sympathisch zu sein. Sachen, die man seinem Arzt erzählt, wenn man seit Wochen mit niemandem gesprochen hat. Vorkomnisse, die man den unbelebten Gesichtern auf Papier erzählt, wenn man noch nicht einmal mehr zum Arzt geht. Geschichten, die das Leben nicht bedeutender machen. Auch nicht unbedeutender. Sie sind eigentlich nicht wichtig. So eine Geschichte ist diese hier.
Es geschah an einem Freitag. Dem 13. Tag eines irrelevanten Monats. Ihre Haare waren noch naß vom Duschen, das Teewasser kochte und sie wollte schnell die Post holen. Sie nahm den Briefkastenschlüssel, huschte durch die Wohnungstür, zog diese nach, damit die Katzen nicht entwsichen konnten und dann war die Tür zu. Sie stand draußen im Flur, noch barfuß, aber immerhin angezogen, mit dem Briefkastenschlüssel und einem verdutzten Gesicht. Sie nahm die Post aus dem Briefkasten, stellte sich auf die Fußmatte mit der debil grinsenden Sonne vor der Wohnungstür und klingelte. Nichts. Der Mensch auf der anderen Seite der Tür föhnte sich die Haare. Die Musterung der Wand neben der Tür kannte sie schon von ihrem letzten längeren Aufenthalt im Flur und wandte sich also der Post zu. Eine Mitgliedsbeitragsrechnung und der JMMV-Versand. Ah, prora 06. Richtig, da war was. Sie klingelte oft. Irgendwann war der Föhn aus, die Tür auf und sie kriegte wieder warme Füße.
Und die Moral von der Geschicht? Keine Ahnung, ich habe keine Moral.
Wie überraschend. Theatralik rockt. Ich sage nicht, dass sie konstruktiv, hilfreich oder immer ehrlich ist. Sie ist aber gut. Ein Genuß. Ein großer. Und nicht nur im Theater.
Sie ist die beste Freundin der Katharsis.
Man muß einen See erst überschwemmen um zu wissen, wieviel Wasser zu viel ist.
Große Worte müssen nicht theatralisch sein. Sie sind aber umso schöner, wenn sie’s sind. Und sind die alten großen Worten es nicht nur nicht mehr, weil sie so voller Gebrauchsspuren sind? Weil es Sätze sind, die sogar jeder Trottel bei GZSZ & Co lernen kann, dann selbst sagt und damit banalisiert? Man sollte Wörter sperren können.
Stille in meinen Augen.
Theatralische Handlungen wirken grotesk. Aber sie sind so stark, rührend, weitreichend. Oft auch angenehm undurchdacht. Spontan, von einer Gefühlsregung, einem Biß der Kobra die im Herzen wohnt verursacht. Egal, welche Regeln man bricht, wen man unglücklich macht und was man zerstört: Das muss man jetzt so tun. Das finde ich ehrlich. Nichts finde ich ehrlicher.
Natürlich geht das auch anders. Eins tut die große Schwester immer: Gefühle regen - manipulieren. Und wenn man das weiß, damit umgehen, Menschen und ihre Gefühle berechnen kann, dann kann man auch berechnend theatralisch sein. Wie böse. Bemitleiden wir einen Moment die Welt um diese Möglichkeit.