Fortsetzung einer Gutenachtgeschichte zum Frühstück

Gutenachtgeschichten — schuehsch @ 26. April 2005, 09:50

In meinem ersten Eintrag wünschte ich eine Gute Nacht indem ich “Zum Einschlafen zu sagen” von Rainer Maria Rilke postete. Jetzt habe ich in einem seiner Tage eine früherer Version des Gedichts (ca. Mitte November 1900), die noch keinen Titel hat, gefunden. Ich mag die eigentlich sogar lieber, als die, die er veröffenlicht hat:

Ich möchte jemanden einsingen,
bei jemandem sitzen und sein.
Ich möchte dich wiegen und kleinsingen
und begleiten schlafaus und schlafein.
Ich möchte der einzige sein im Haus,
der wüsste: Die Nacht war kalt,
und möchte horchen herein und hinaus
in dich, in die Welt, in den Wald.
Die Uhren rufen sich leise an,
und man sieht der Zeit auf den Grund.
Und unten geht noch ein fremder Mann
und stört einen fremden Hund.
Dahinter wird Stille. Ich habe groß
die Augen auf dich gelegt;
und sie halten dich sanft, und sie lassen dich los,
wenn ein Ding sich im Dunkel bewegt.
Oft wachst du auf – allein…
da möcht ich dich leise meinsingen

und möchte dich küssen und einsingen
und wissen wo, hinein…
(Zum Einschlafen zu sagen)

Dinge, die er später verändert hat, habe ich kursiv gesetzt.

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